Zeitsprung
Ich weiß noch genau wie das alles begann. Wie ich, immerhin schon mit dem Vorteil mich auf der Berufsschule auszukennen, mich an meinem ersten Schultag am Wirtschaftsgymnasium orientierte. Wie ich die Listen mit mir bis dahin unbekannten Namen abklapperte, mir die Nummer des Raumes merkte und hoffte dass der Tag bald vorbei ging. An dieser Haltung sollte sich auch an den folgenden Tagen und Monaten nichts ändern. Zu meinem Nachteil waren schon sehr viele Menschen in dem Klassenraum. Dies hatte zwei Nachteile: 1: Man wird generell von allen angestarrt wenn man die Tür aufmacht. 2: Die Plätze in der letzten Reihe sind weg. Mit einem geflüsterten „Hallo“ setz ich mich in die erste Reihe. Links von mir am nächsten Tisch, Großmann und Jules, immerhin schon zwei die ich von der Wirtschaftsschule kenne. Der Rest war mir unbekannt. Spielt aber auch keine Rolle, ich hatte keine Lust die alle kennen zu lernen, mit Sicherheit alles Spaten. Das soll es also sein, mein Weg zum Abi, das sollen sie also sein, meine Kameraden, meine Leidensgenossen, die sich ebenfalls von der deutschen Bildungsmaschinerie quälen lassen. Davon abgesehen dass ich der Hälfte vom Aussehen her noch nicht einmal den Hauptschulabschluss zugetraut hätte, fand ich dennoch ein paar attraktive Damen und ein paar sympathisch wirkende Jungs. Da ich nicht in der Laune war mit diesen Wesen zu kommunizieren versteckte ich mich hinter meinen langen Haaren und ruhte mich aus. Der Höhepunkt dieses Tages war die düstere Prophezeiung von meinem Klassenlehrer dass schon in diesem ersten Jahr 20 % von uns sitzen bleiben würden. Ich persönlich glaube ja nur Statistiken die ich selber gefälscht habe, aber wenn der feine Herr meint… Ich will hier nicht noch einmal Dobelmühle-Erinnerungen aufwärmen, ich will nicht noch einmal alte Anekdoten erzählen. Ich will nur dass ihr euch noch einmal zurückversetzt, in diese alte Zeit. Noch einmal dieses Gefühl habt, diese Mischung aus Angst und Neugierde die uns alle sicherlich am ersten Tag begleitet hat. Erinnert ihr euch noch an den Anfang der 12ten Klassen? An weitere düstere Prophezeiungen? Warnungen vor bestimmten Lehrern, die Hoffnung in coole Kurse zu kommen… Wie die Kinder aus der 11ten Klasse langsam erwachsen geworden sind, herrlich. Versetzt euch zurück an die Tage an denen wir Geburtstage gefeiert haben, an denen wir zusammen getrunken haben. Erinnert euch an Hamburg, an die Fahrt dorthin, an die Leute die ein Zimmer mit euch geteilt haben. Eine der wenigen Möglichkeiten zusammen richtig auszurasten, Hamburg bot die perfekte Umgebung für unsere kleine, private Party. Ich behaupte heute noch, trotz der Verwarnung vom Hotel, trotz drei Rücksäcken voll mit leeren Alkoholfalschen, trotz 7 Tagen Dauerdelirium, dass es sein musste. Wann werden wir noch mal die Möglichkeit haben so zusammen zu sitzen und uns abzuschießen, und wann werden wir jemals im Leben wieder die Chance haben auszuleben was wir wollen und nichts bereuen zu müssen. Wie viele Erinnerungen sonst habt ihr, die so positiv sind wie diese Studienfahrt? Vergesst nicht was ihr dort getan habt, vergesst nicht mit wem ihrs getan habt, diese Zeit wird nie wiederkommen, aber durch Erinnerungen feiern wir weiter in Hamburg. Es geht heute nur noch darum dass egal was ihr tut, dass ihr niemals das Gefühl habt irgendwas in dieser Zeit bereuen zu müssen. Erinnert ihr euch an den ersten Tag in der 13ten? Dieses Bewusstsein vom ernst des Lebens, diese leichte Melancholie wenn man nach den Sommerferien den Menschen begegnet die man lieb gewonnen hat, sich freut sie wieder zu sehen und gleichzeitig traurig ist weil man weiß dass dies das letzte Jahr sein wird. Was noch kommen wird kann ich nicht sagen, mir nicht denken, nicht einmal ansatzweise reicht meine Kreativität dafür. Ich wollte euch nur noch einmal einen kurzen Abriss des Lebensabschnitts geben den wir zusammen verbracht haben. Ich weiß, ich hab vieles übersprungen, aber dieser kleine Blogeintrag soll auch nicht erzählen, er soll nicht von den erlebten Geschichten berichten, dieser Blogeintrag soll anregen dass ihr eure eigenen Erinnerungen wieder hervorholt und noch einmal die Vergangenheit durchleben könnt. Dieser Blogeintrag lebt von euren Erinnerungen, von dem was jeder von euch persönlich erlebt hat. Vergesst diese Zeit nicht… Auf bald Patrick
Veröffentlicht von Patrick am 2007-11-19

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