Wenn der Vorhang fällt
Im Grunde genommen ist Theaterspielen wie Sex: Man bereitet sich eine Ewigkeit darauf vor, wenn es soweit ist weiss man nicht wirklich was man tut und ehe man sich versieht ist es auch wieder vorbei. Eine Jahr lang Vorbereitung für 2 Tage absoluten Ausnahmezustand. Als Frau Graf bei einer der Proben vorbeigeschaut hat, sagte sie etwas sehr interessantes. Sie meinte das wir uns an das meiste das wir in der Schule gelernt haben später nicht mehr erinnern würden, dagegen würde das Theater wahrscheinlich niemand von uns vergessen. Klar hatte sie damit recht, denn wir alle wissen wie lang die Halbwertszeit von Matheformeln oder Englischvocabeln ist. Dagegen verändert ein Auftritt vor insgesamt ca. 1000 Leuten auf jeden Fall jeden der dabeigewesen ist.
Der große Sprung nach vorn
Der ganze Spaß begann, wie wir uns vermutlich alle noch genau erinnern, vor ungefähr einem Jahr. Anne machte mich damals auf eine geplante Theater AG Aufmerksam die der damals noch neue Reli Lehrer Petrich ins Leben gerufen hatte. Ich sagte wie viele andere Spontan zu und war mir bei weitem nicht der Tragweite eines solchen Projekts bewusst. (War ich eigentlich bis vor einer Woche auch noch nicht). Der Anfang war ziemlich schwammig: ,,Irgendwas mit Vampiren'' war der erste Vorschlag. Kein bisschen konkret und scheinbar auch Null Konzept dahinter. Doch um mal auf unseren guten alten Freund Nietzsche zurückzukommen: Der nötige Wille für eine Sache macht so einiges möglich. Letztendlich war es auch nicht mehr als der Wille unserer kleinen AG Gruppe ein Theater auf die Beine zu stellen der das ganze möglich gemacht hat. Als Inspiration diente uns schließlich Bram Stokers Dracula, aus welchem wir auch alle
relevanten Figuren übernommen haben. Patrick und ich machten uns unmittelbar darauf das Skript zu schreiben und teilten die einzelnen Szenen untereinander auf. Die Rollen wurden aufgeteilt und wie sich später herausstellte (Auch wenn die Besetzung mehrmals wechselte) passte fast jede Rolle wie die Faust aufs Auge auf die jeweilige Person. Massiv würde jetzt sagen ,,das ist Schicksal''. Doch zurück zu Nietzsche: Laut seiner Philosophie kann aus jedem Mensch der den nötigen Willen und die Durchsetzungsfähigkeit hat ein Übermensch werden. So weit sind wir zwar noch nicht, aber immerhin schafften wir es aus uns normalen Durchschnittschülern, Schauspieler zu machen. Praktisch aus dem nichts, nur durch Einsatzbereitschaft und Willensstärke stellten wir Requisiten, Drehbuch und Kostüme praktisch selber her, oder organisierten sie. Wir konnten ja von der Schule aus auf keine Basis zurückgreifen, alles musste komplett neu Erschaffen werden. Auch wenn es ab und zu mal etwas Stunk gab denke ich wir können alle Herr Petrich für seine Einsatzbereitschaft in diesem Punkt danken, ohne den alles nicht möglich gewesen währe.
Kulturevolution:
Das Wort ,,Wirtschaftsgymnasium'' oder noch schlimmer ,,berufliches Gymnasium'' macht nicht gerade einen Eindruck kultureller und kreativer Vielfalt. Tatsächlich war es das bis her auch nicht wirklich. Fächer wie ,,Volksbetriebwirtschaftslehre mit Rechnungswesen'' klingen eher nach staubtrockenen Zahlen und die Vorbereitung auf ein Leben als Finanzbeamter mit grauen Anzug oder als geldgeiler Manager a la Peter Hartz. Beinahe währe es auch soweit gekommen, wenn es nicht eine kleine AG geben würde die dem bürokratischen Sumpf etwas Paroli bietet. Frau Graf hat gemeint das ein berufliches Gymnasium mit eigener Theater AG absoluten Seltenheitscharackter hätte und ich denke auch damit hat sie recht. Ich denke jeder wo mitgemacht hat wird mir recht geben wenn ich behaupte das die Aufführung jeden von uns etwas Verändert hat. Doch damit mal genug Pathos. Um mal wieder auf das Anfangsbeispiel zurückzukommen: Es ging zwar schnell vorbei doch es gibt immer die Hoffnung auf in nächstes mal.
Veröffentlicht von Hemphans am 2007-11-26

Wenn der Vorhang fällt