Unsere kleine Deutsch-Weihnachtsfeier ...
Eigentlich beginnt unsere kleine Geschichte in einer harmlosen VBRW Stunde. Und eigentlich begann unsere gestrige VBRW Stunde wie beinahe alle Schulstunden damit, dass sich die Motivation in Grenzen hält. Also lag es nahe, die Zeit mit etwas sinnvollerem zu überbrücken. Doch diesmal waren es keine Handpuppen, die über die Bühne huschen sollten, sondern etwas simples: Wir wollen unsere eigene kleine Weihnachtsfeier! Und zwar am letzen Schultag, in unserer Deutschstunde, der letzen Schulstunde in diesem Jahr. Gut, dass Blödsinn-Motto wäre gefunden und die übrigen Ideen kamen wie von selbst. Wir brauchen ein Rentier, auf das selbst Chris neidisch wäre! Patchouli wäre cool! Wir könnten Last Christmas singen! Wir brauchen Lichterketten, Schmuck und bunte Leuchten! Und natürlich jede Menge Gebäck!
Soweit die Theorie. Anne und ich stellten eine Liste auf, wer was mitbringt. War klar, dass ich wieder das meiste mitbringen muss. Aber kein Ding. Am selbten Tag bastelte ich aus einer alten Schachtel aus Karton wohlgemerkt ein Rentier, dass aus mehreren, beweglichen Teilen bestand. Klingt zuerst cool, aber gegen später bemerkte ich dann, dass ich diese Teile irgendwie befestigen muss. Aber ich wusste noch nicht, wie - also packte ich das andere Zeugs zusammen. Paar Packungen Kekse, 1000g um genau zu sein. Dazu eine halbe Rolle Alufolie, auf die wir die Kekse legen können. Vielleicht fragt ihr euch, warum denn Alufolie? Ganz einfach, denn ich schraubte aus meiner Leselampe die Energiesparbirne raus und setzte die rote Glühbirne meiner Lichterorgel ein, um für stimmungsvolle Beleuchtung zu sorgen. Zufälligerweise lag noch eine Lichterkette bei uns im Hausgang herum - die ich auch fix in meine übergroße Sporttasche packte. Direkt über das zusammengefaltete Rentier. Ich überlegte, was wir denn noch für Kleinigkeiten brauchen und nahm noch Teppichmesser, Tesa, Edding und ein Feuerzeug mit. Auch dürfte der besagte CD-Spieler inklusive passendem Tondatenträger nicht fehlen. Geplant war auch, dass wir eventuell ein Krippenspiel vorführen, also nahm ich mein Osmanenkostüm aus dem Dracula Theaterstück mit. Und natürlich Socken, die wir über die Tafel hätten hängen können.
Gut, der Wecker klingelt, es ist Donnerstag und ich habe mich nach ner halben Stunde dazu überwunden, endlich aufzustehen. Übrigens wusste ich nun, wie ich die Rentiereinzelteile befestigen konnte: Mit Schrauben. Dann hätte ich ja alles! Auf nach Bad Saulgau! Ich kam pünklich genug an, lief mit meiner großen, vollen Sporttasche ins Gebäude und spürte, wie ich mit dieser Tasche mehr auffiel als Naomi Campell mit einer Dolce Gabana Handtasche - nur kostete meine Tasche einen Bruchteil. Ich setzte meine gefühlt 30 Kilo schwere Tasche vorm Klassenzimmer ab, holte die Rentiereinzelteile raus, steckte sie mit Schrauben zusammen und sah schon, wie meine beiden Lieblingszwillinge angelaufen kamen. Ohne zu Zögern drückte ich ihnen zwei schwarze Permanent Marker in die Hand, mit dem sie meinem Rentier zum Leben erwecken sollen. Okay, eigentlich wäre ich schon mit einem Auge, einer Nase und nem lachenden Mund zufrieden gewesen, was die Mädels dann auch konsequent umsetzten.
Wir hatten in der ersten Stunde Mathe, das überspringen wir. Wichtig ist nur, dass ich alle ihre Aufgaben beim Dekorieren nochmal gesagt hab und die ersten Last-Christmas Songtexte verteilte. Glücklicherweise lies uns Herr Fuchs dann früher hinausgehen und so schnappte sich Mähne das Rentier und ich meine Tasche mit CD-Player. Und wie es der Zufall will, hörte auch Herr Flinspach früher auf, so dass wir gleich loslegen konnten. Benny lachte mich zwar aus, ich würde mir so einen Streß machen, aber wir hatten lediglich ein Zeitfenster von wenigen Minuten, um ein schlichtes Klassenzimmer in einen Ort voller Weihnachtsstimmung zu bringen. Ich packte die Lichterkette aus, die wir dann über die Tafel hängten. Und rollte die Alufolie aus, auf der dann Regina und Sarah Marfaing freundlicherweise die 1 KG Kekse und die Packung Snickers auslegten. Janina hatte sogar selbtgebackene Brötchen dabei! Es schien, als würde mein Plan aufgehen. Malek machte die Jealousien runter, ich steckte die Leselampe mit der roten Glühbirne ein. Ebenso den CD Player, auf dem dann ein Remix von "Last Christmas" von Jimmy Eat World lief. Anne zündete in der Zwischenzeit die Teelichter an, während Benny voller Enthusiasmus eine Kette aus Kugeln und einen Weihnachtsbaum an die Tafel zauberte. Ich verteilte dann noch die Last Christmas Songtexte und war total überrascht, dass wir es als Klasse so schnell geschafft hatten, unseren Raum zu verschönern. Und wie alle dabei waren und gute Laune bekamen! Irgendwie war's total cool. Aber wir sollten nicht die einzigsten bleiben, denn irgendwie lockte unser Gebäcktisch wohl den Mutschlerkurs an - oder lag es an der guten Musik? Auf jeden Fall stand dann der gesamte, andere Deutschkurs im Raum und die meisten wussten nicht, ob sie staunen oder lachen sollten. Ich glaube, selbst Herr Mutschler hat es gefallen. Zumindest schaute er nicht böse. Herr Petrich schaute auch mal vorbei, musste aber leider dringend weiter. Auch Herr Waldenmeier warf einen Blick hinein. Zwar sehr skeptisch und er überlegte sich wohl, ob er was sagen sollte ... zog dann aber ohne was gesagt zu haben, weiter. Und dann war es soweit: Frau Rheingans kam rein. Nachdem die Resonanz von unserer Paraklasse und meinen Mitschülern und sogar anderern Klassen eigentlich total gut war, rechnete ich eigentlich fest damit, dass sie sich total freuen wird. Denn es sah wirklich cool aus: Ein Raum voller Atmosphärischer Lichter, guter Laune, stimmungsvoller Musik und lauter Menschen, die sich freuten.
Doch ich hatte den Eindruck, dass sie Panik bekam. Und so schaltete sie den CD Player einfach aus, indem sie den Stecker zog und machte reflexartig die Jealousien wieder hoch. Es schien, dass der Plan eigentlich perfekt aufging, bis unsere Deutschlehrerin ins Spiel kam. Ich war gerade dabei, per Stativ und längeren Belichtungszeiten unsere Deko zu fotografieren, aber das wollte sie mir dann verbieten - was ich aber nicht zuließ, denn diesen Augenblick wollte ich festhalten. Auf jeden Fall brauchte sie wohl eine Pause von so vielen Leuten und ging unter dem Vorwand raus, sie müsse was kopieren. Kaum war sie draußen, machten die Jealousien runter und schalteten die Musik wieder an. The Party must go on! Ein Lied weiter kam dann der Rockafeller Shank und ich bemerkte, wie zwei männliche Typen durch die kleinen Fenster, oben bei den Wänden durchschauten, um festzustellen, was denn bei uns so abgeht. Ich ging natürlich sofort raus, lud sie ein und meinte, sie sollten doch die ganze Klasse holen. Und dann, einige Minuten später kamen Massen von Leuten, praktisch eine ganze Armee, dreimal Bondorf - bestimmt 30 Leute quetschten sich durch die Türe, um einen neugierigen Blick in unsere Überraschungsweihnachtsfeier ohne Hauptperson zu werfen. Die Leute waren alle n bissl schüchtern, ich verteilte Last Christmas Songtexte und bat die Weihnachtsbrötchen an. Irgendwann sind sie dann wieder gegangen, Herr Seitz schaute noch vorbei und wusste nicht was sagen.
Gegen Ende von der Stunde tauchte auch Frau Rheingans wieder auf, die sage und schreibe ein Gedicht kopiert hat, gerade als wir zu "Last Christmas" anstimmen wollten. Aber ihre Worte waren für uns Schülern wie Blätter, die von einem Baum direkt in einen fließenden Fluß fielen ... kurzum: Das Gedicht interessierte niemanden und die meisten verließen unter dem Vorwand den Raum, dass sie noch einen Parkplatz in der Nähe der Kirche bekommen möchten. Ich räumte noch ein wenig auf, verschenkte das übrig gebliebene Weihnachtsgebäck an die Leute vom Aufenthaltsraum, die Weihanchtsgebäck verkauften und ging mit einem guten Gefühl in Richtung Rennrad, um mich auf den Weg in die Kirche zu machen. Und was dort geschah, erfahrt ihr beim nächsten Blogeintrag x)
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Passende Fotos anschauen (noch nicht online)Veröffentlicht von Stefan am 2007-12-20
