WG13-Blog Deus ex Dracula - Premiere unseres Theaterstücks

Deus ex Dracula - Premiere unseres Theaterstücks

Eine Einleitung soll kurz zusammenfassen, was in den nachfolgenden Sätzen stehen wird. Aber sie soll auch nichts vorwegnehmen. Was liegt also näher zu sagen, dass ihr in diesem Blogeintrag einen kleinen Blick hinter die Kulissen und einen Einblick in das Geschehen noch bevor der Vorhang des Stadt Forums aufging, erhalten werdet? Pannen und Details, die den zahlreichen Zuschauern verborgen blieben? Klingt interessant? Dann sollten sie weiterlesen ...

Mein letzter Monat vor der großen Premiere begann damit, dass ich mit dem Fahrrad zur Schule fuhr. Ist zwar bei mir nichts besonders, aber diesmal hatte ich einen Grund: Ich musste den unhandlichen Ventilator mitnehmen, den unser charmanter Pyrotechniker Mike für die Special Effects benötigt. Also packte ich das Teil in meine XXL-Sporttasche, mit der ich nicht in Bus gehn wollte und zog los. Ich kam dann wie üblich auf die letzte Minute vor der Schule an, traf Marcel "Jonathan" Melucci und wir gingen gemeinsam ins Schulgebäude. Herr Seitz war noch nicht da, dafür waren meine Mitschüler schon in dem renoviertem Raum direkt gegenüber dem Physikraum. Auch Herr Seitz traf dann nach ein paar Minuten ein und ich klärte ihn dann gleich auf, dass ich noch einen Arzttermin habe. Klassenarbeit gab's auch noch raus, hatte immerhin 13 Punkte. Kurz darauf war's dann so weit, ich musste los, denn ich hatte ja wie Herr Aigner nen wichtigen Termin. Dummerweise vergaß ich dann meine Jacke und ich joggte bei Minusgraden zum Augenarzt, dessen Besuch ich von der Musterung aufgedrückt bekam. Ich wartete fast ne Stunde und kam mir zwischen den ganzen alten Rentern irgendwie komisch vor. Ein alter Herr stand dann auf und meinte nur "Am Fenster ist's grad kalt". Worauf hin eine andere alte Dame meint "Jaja, es wird halt schon Winter". Und dann der nächste ... "Liegt ja auch schon Schnee draußen". Eben so eine typische, sinnfreie Unterhaltung. Ich schaute nur verduzt, saß ja immerhin im T-Shirt rum. Der Sehtest selbst verlief problemlos, war schnell fertig. Die freundliche, blonde Sekretärin in meinem alter schrieb mir dann noch ne Bescheinigung für meine Anwesenheit raus, während ich gerade dem Benny schrieb, dass ich keine Lust auf den FiMa Unterricht habe. Prompt kam die Antwort, dass ich doch mit könnte, die Mikro-Anlage und andere Dinge zu holen. Das passte mir gut in meinem Zeitplan, da ich auch noch den Anzug von meinem Bruder holen musste. Das lies sich ja prima kombinieren! Also joggte ich zurück zur Schule, Otze nahm' meine Tasche mit in die Pause und so zogen wir von dannen. Zuerst Richtung Innenstadt, wo uns dann die schwarze Taschenlimousine von unserer First Lady vorbeirauschen sahen. Und dann über den Umweg Otterswang beim Dave vorbei zum Schussenrieder Bahnhof, wo eine riesige Lagerhalle voll mit teurem HighEnd Equipment für jeden Veranstaltungsanlaß stand. Weit und Breit alles voller Mischpulte, Lautsprecher, Metallgestände und sogar einem antiken Kinderwagen. Zwar waren warme Bässe und sanfte Beatz zu hören, aber diese änderten auch nichts an den Minusgraden, die draußen herrschten. Und schon bald hüpften Jessi, Benny und ich auf der Stelle, um uns warm zu halten. Wir warteten, bis Dave und sein Kumpel die Sachen herausgekramt hatten, luden das Zeug ein und fuhren zurück. An der Tankstelle machten wir halt, da Bennys Touran kurz vor'm Verdursten war. Zufälligerweise rief da gerade Anne auf meinem Handy an. Sie erzählte, dass sie noch nen Termin beim Rutentheater wg. den Kostümen hätte und ähnliches. Am Nachmittag war noch ne Probe geplant, aber wegen dem ganzen Aufwand, den wir mit den Requisiten hatten, schafften wir nicht mal einen Durchlauf. Auch fehlten ein paar Leute. Was spricht also dagegen, gleich zum Mittwoch zu springen?

Denn am Mittwoch begannen die Proben bereits um 8 Uhr. Ich war zuvor noch im Kaufland, kaufte ein wenig proviant ein, denn am Vortag hatten wir gegen Abend alle ziemlichen Hunger. So ist's halt, wenn ich nix einkauf, da waren die 20 Wecken pro Tag in den Ferienwochen schon von Vorteil. Geplant war heut die "Generalprobe", mit ein paar Effekten vom Mike und dem Licht vom Dave, der bis zwei Uhr nachts im Forum war, um die hochwertigen Scheinwerfer möglichst beeindruckend ins rechte Licht zu rücken. Wir begannen dann mit dem Schminken, dass bei mir relativ karg ausfiel. Als Osmane bekam ich lediglich eine 5cm Schicht Nivea-Creme ins Gesicht, die mir zwar die Vivi mit ihren sanften Fingern schön verteilte, ich aber dennoch nicht glücklich war. Jessi sorgte dann mit einem scharzen Stift bewaffnet für die richtige Kriegsbemalung. Gegen 10 Uhr trudelten auch Kollege Tobi und sein Assistent Dominik ein, die beide für den Verfolgerscheinwerfer verantwortlich waren. Auch folgte das Team der Fotografen bzw. das Kamerateam, die den Auftrag hatten, unsere Aufführung für die Nachwelt festzuhalten. Herr Petrich sagte dann, dass es nun losgehen sollte, also machte sich unser Osmanen-Quartett in Richtung Fluchttüren, wo wir dann warteten. Dort versteckt bekam ich dann mit, was der Lehrer vor gewerblichen Schule so sagte. Er war sehr genervt, "wann es denn nun endlich losgehe", er schon seinen Schülern drohte, dass "wenn es in einer halben Stunde nicht losgeht, er wieder abzieht". Als es dann immer noch nicht los ging, wurde seine Laune nicht besser ... "die haben ja nicht mal Requisiten oder eine Kulisse! Das scheint wohl eine moderne Dracula Aufführung zu sein!" - "Mir wurde gesagt, die wären heute geschminkt, aber man sieht ja noch gar nichts davon!". Lustig war dann, als Herr Petrich zu ihm her kam, war er ganz begeistert von Herr Petrichs Outfit und lobte es, dass es fast schon übertrieben war. Nach dem ersten Durchlauf, der ganz ordentlich verlief, machten wir eine kurze Besprechung. Dort wurde unter anderem gesagt, dass unser Mike noch Tauchsieder bräuchte. Ich erinnerte mich an meine alte Schule, dort gab's jede Menge von den Teilen. Also meldete ich mich für diese Aufgabe freiwillig und fuhr dann mit unseren beiden Guse-Zwillingen und Jeannie in der Mittagspause zuerst in Richtung Toom Baumarkt, um einmal irgendwas zurückzugeben und ein goldenes Geschenkband für Adrianas schlecht sitzendes Kleid zu kaufen. Das Band war gleich gefunden, unmittelbar vor der Kasse - und es kostete lediglich einen Euro. Vielleicht wäre es noch interessant zu erwähnen, dass ich noch im kompleten Osmanenkostüm rumrannte. Auch Jeannie hatte noch ihre Vampirschminke dran, inklusive der dazugehörigen Firsur. So erregten wir einige Aufmerksamkeit und liefen so zur Bäckerei, wo wir was für Hannes kaufen sollten. Dort trafen wir Frau Albrecht, die zwar sonst ziemlich wortgewand ist, sie aber diesmal sehr überrascht und sprachlos zu gleich war, als sie uns sah. Und überraschend schnell wieder verschwand. War uns auch recht, so hatten schon wir mehr zum Essen. Denn es gab auf dem gesamten Thekenareal verstreut solche Teller mit verschiedenen Gebäcksachen zum "probieren". Natürlich kostenlos - also machte ich mich da gleich daran zu schaffen. Jeannie half mit, während andere Hemmungen hatten, mehr als ein Stück zu nehmen. Selbst schuld, die Dinger waren mit meiner Hilfe leer und die Karawane zog weiter. Richtung Störck-Gymnasium, denn ich hatte ja zugesagt, Tauchsieder zu besorgen. Ich war ja 6 Jahre auf dieser Schule und irgenwdie war's lustig, sie mal wieder zu besuchen. Von Vorteil war es auch, ein paar Lehrer zu kennen, mit denen man gut auskam. Und so betrat ich dann, mit einem breiten Grinsen im Gesicht und einem Gedanken an das Osmanenkostüm das Gebäude. Ich kopfte am Sekretariat und fragte nach Herrn Schroth. Dieser sei im Physikraum, wie mir ein junger Lehrer mitteilte. Er fragte, warum ich so gekleidet wäre und klärte ihn dann über das bevorstehende Highlight der kommenden zwei Tage auf. Er hat schon mal was davon gehört, aber präsent war's ihm nicht. Aber dafür bin ich ja da. Vor'm Physikraum angekommen klopte ich an der Türe, traf glücklicherweise gleich auf den jungen Herrn Schroth, der dann total hilfsbereit war und mir alle seine Tauchsieder mit gab. Dafür noch ein großes Lob und ein riesen Dankeschön! Nach dem zweiten Durchlauf, also gegen halb Zehn fuhr ich noch schnell ins Kaufland, weil zuhause nicht mehr allzuviel zum Essen da war. Dort sah ich dann schon von weiten diesen schnuckeligen weißen Mazda und bei genauerem Hinsehen assoziierte das Nummernschild RV-JY-707 mit ihrer Halterin, der edlen Sabrina. Und so fuhr ich dann mit m Fahrrad in den Vorbereich des Kauflands, schnappte mir ne Kaufen / Verkaufen karte und schrieb was im Stil von "Hallo Sapse" drauf und fuhr zurück ans Auto. Auf ihrer Heckscheibe haftete mehr Schmutz als Staub der toten Worte an mir, was mir es erst möglich machte, einige Worte in den Dreck zu ziehen. Im Kaufland traf ich Sapse dann auf der Rolltreppe, die mich dann mit einem breiten Lächeln empfing. Ich will's gar nicht deuten, ob's eher positiv oder negativ war, aber wer Sapse kennt, kann sich seine Meinung zu diesem Thema ja selbst bilden. Ich kaufte dann mein Zeugs ein und traf dann noch Anne und Marcel auf höhe der Obstregale. Ich versuche dann, mit ihnen um die Obsttische herumzulaufen, wie es auch Debbie und Matthäus in einer Szene taten, aber Anne wusste gleich, was Sache ist. "Steve, ich weiß, dass du keine Schuhe an hast! Des hat mir schon Sapse erzählt!". Tja, so ne Petze. Ich bezahlte dann und siehe da, wer wartet da auf mich? Sapse mit ihrer Schwester. Sie hätten nur auf mich gewartet. Ich will ihr ja keinen gewissen, unterschwelligen, ironisch anhauenden Ton unterstellen, aber mit diesem schmunzelnden, verdrückten Lächeln drängte sich einfach der Verdacht auf, dass ihre nette Geste doch einen anderen Ursprung hat.

Let's talk about ... Donnerstag, right. Der Tag der Aufführung. Wir hatten uns einen Durchlauf vorgenommen, begannen dann aber schon frühzeitig mit schminken und spielten nicht komplett durch. Auf jeden Fall war schon deutlich zu spüren, dass die Aufführung bald beginnt. Unten auf der Bühne standen bereits die Feuerwehrmänner bereit, die ihr wachsames Auge auf unsere explosive Aufführung haben sollten und von Olli, dem Leiter des Stadtforums eingewiesen wurden. Zwischen Feuerwehrmännern und dem Vorhang huschte immer wieder ein total gestreßter Mann durch's geschehen. Huschte ist eigentlich untertrieben, er rannte eigentlich. Es war Mike, unser Pyrotechniker, der schon in Kino Hollywood Blockbuster-Filmen wie Alien vs. Preditor und beinahe auch bei Mission Impossible mitgewirkt hat. Er sorgte für die grandiosen Spezieleffekte in unserem Theaterstück für die ganze Familie. Gut ein Stockwerk weiter oben waren die beiden Umkleideräume. Hier herrschte wie üblich totales Chaos. Vorallem in dem Zimmer der Mädchen, denn dort wurden alle Darsteller geschminkt und bemalt. Stellt euch vor, wie vier Leute geschminkt werden, weitere vier die schminken, dazu noch sieben bis acht andere im Raum, die darauf warten, geschminkt zu werden. Und natürlich diverse andere, denen es langweilig war und nichts bessers zu tun hatten. Wenn wir einen Blick ins Tierreich werfen würden, kame unser kleiner Mikrokosmos im Mädchenzimmer wohl dem eines Bienenstocks oder eines Ameisenhaufens gleich. Ungefähr so hektisch und wuselig ging's zu. Aber genug dazu, denn im ersten Stock gab's neben jeder Menge Stylingprodukte und fescher Mädels auch noch Tobi und Schiri, die oben in der Galerie saßen und für das Licht des Verfolgerscheinwerfers zuständig waren. Der Verfolgerscheinwerfer ist dieser kreisrunde Spot, wo die Darsteller auf Schritt und Tritt begleitete. Schiri war gut gelaunt und machte laufend lustige Witze über Tobi und andere Leute, die gerade in seiner Nähe waren. Ebenso in der Galerie war das sympathische Kamerateam-Trio, bestehend aus zwei netten Damen und einem lässigen Typ, welche die Aufgabe hatten, unser Stück Zwecks Kauf-DVD auf Band zu bannen. Wenn wir nun die Treppe wieder heruntergehen, kommen wir direkt zum Einlaß und der Essensausgabe. Geplant war, dass die Mädchen vom BEJ unser Publikum verköstigt, aber sie kochten dann einen Nudelsalat. Und davon 375 Portionen. Das klingt im ersten Augenblick gar nicht mal so schlecht, jedoch stellte sich heraus, dass wir genau so gut bei Minusgraden hätten Eis verkaufen können - denn da wäre unser Absatz auch nicht viel geringer gewesen. Ich traf dann auf die Julia - die immer im anderen Abteil ist, wenn wir Sport haben und ich sie deshalb irgendwie kennen gelernt hatte. Sie war auch nicht alleine, denn eine Freundin von ihr war dabei, die Steffy. Beide waren sehr aufgedreht und kontaktfreudig, redeten viel. Also zeigte ich ihnen den Backstage-Bereich, beginnend bei den Umkleiden bis hin zur Galerie, wo wir uns dann im sicheren Abstand zu Tobi niederließen. Wir unterhielten uns über Gott und die Welt, bis dann Steffy zu philosophieren begann, dass sie jetzt auch so gern auf der Bühne stehen würde und dass ihr Leben sei. Und sie wäre gern so wie Jessica Alba, der sie nach eigenen Angaben ähnlich sehen würde. Mit Jessica Alba kann ich als "Alle-Schauspielerinnen-und-Models-sind-total-geil"-Hasser absolut nichts anfangen, ich kannte den Namen nur vom Hören. Wir gingen dann zurück und irgendwie meinte dann unsere kleine Mrs. Alba, vielleicht nicht ganz zu unrecht, ich würde sie verarschen. Aus Spaß wollte mir sie dann irgendwie ins Gesicht greifen, was sie dann auch tat, aber gleich so ungeschickt, dass meine Kontaktlinse weg war. Die Uhrzeit sag' ich euch nicht, auf jeden Fall hat sich das hübsche Mädel im grünen Pulli dann voll entschuldigt, was ich auch akzeptierte, denn es war ja keine Absicht. Ich erzählte die Geschichte meinen Kollegen und Matthäus hatte sich erbarmt, mich schnell nach Hause zu Fahren, um Ersatz zu besorgen. So fuhren wir dann los, holten Ersatz-Linsen und kamen wieder zurück. Ich hatte eigentlich schon die ganze Woche vor, Ersatz-Kontaktlinsen mitzunehmen, da ich irgendwie das dumpfe Gefühl hatte, dass ich sie noch brauchen würde. Und siehe da, ich hätte sie wirklich brauchen können! Zurück im Theater saßen unsere beiden sympathischen Mädels dann im Bereich der Bühne. Steffy entschuldigte sich nochmals, aber ich bin ja nicht nachtragend und war echt nicht sauer und so war das Thema gegessen. Tobi meldete dann, dass irgendwas am Verfolgerscheinwerfer defekt wäre und Dave bemühte sich um Ersatz. Kurz vor der Aufführung. Aber genug komische Geschichten, es ist 19 Uhr und die ersten Leute kamen rein. Ich wollte noch aufs Klo und ging die Treppe runter, war aber dann schockiert, wie viel Leute da schon 10 Minuten nach Einlaß schon da waren. Und noch schlimmer: Wie sie mich alle anschauten, denn ich war ja schon im Osmanen-Krieger-Kostüm unterwegs. Also schnell wieder hoch. Ich sagte dass dan oben in der Umkleide, und so manche von uns konnten es sich dann doch nicht verkneifen, mal herunterzuschauen. Mittlerweile machte sich die Nervosität breit: Mönche rannten herum und suchten ihre Mönchskutten, Tänzer ihre Masken und andere einfach die Ruhe. Wie unser Otze, der sich unten im Bühnenbereich auf die Parkbank setzte und die Ruhe unten genoß. "Ja die da oben wühlen sich alle gegenseitig auf", meinte er nur. Ich saß dann zu ihm und vermerkte einige Schritte. Es war Herr Petrich, der an seinen gruseligen Stock zwecks SpecialEffects gefesselt war. Er war total nervös und lief verplant im Lagerraum herum, sprach seinen Text laut vor sich hin ... und ähnliches. Als er mich dann sah, fragte er, ob ich noch was süßes hätte. Leider hatte ich oben nur n Pack Traubenzucker und Orangen, aber Otze fiel dann ein, dass er noch Schokokugeln dabei hatte, die ich ihm dann holte. Auch Benny war wohl einer von denen, welche die Nervosität mit Löffeln gefressen haben, denn er war auch so richtig aufgewühlt. Jessi hingegen nahm Beruhigungstropfen, um mit ihrer Anspannung zurecht zu kommen. Solangsam war es dann so weit, einige Leute waren schon unten, Saal wurde eröffnet, hinter dem Vorhang war das Publikum deutlich zu hören und man merkte, dass es sehr bald los gehe. Mike rannte herum, platzierte nur wenige Minuten vor Vorhangaufzug die letzten Wasserkübel, wir bekamen noch eine Sicherheitseinweisung und los gings. Wir Osamen, also Darja, Daniela, Julia und ich warteten draußen vor der Eingangstür auf unseren Einzug. Wir mussten auf das Stichwort "Krieger" hören, dass aber gar nicht so leicht war, wenn die Mädels mit ihren Geschirrwägen durch den gefließten Raum holperten. Auch mehrmaliges Zureden brachte nicht so viel, sie erkannten wohl den Ernst der Lage nicht. Aber immerhin waren die meisten wohl besser geschminkt als ich, ging mir so durch den Kopf. Jules und Rapha kamen dann noch her, aber reden konnten wir nicht, denn jede Sekunde hätte es los gehen können. Ich war immer noch nicht aufgeregt, ich hoffte nur, dass wir als Gruppe alles gut überstehen. Und dann, es war da. Das Stichwort. Christopher öffnete uns mit seinem Bart die Türe, es ging los. Wir marschierten rein. 1-2-3- und "Haa!" - In diesem Ton marschierten wir rein, drei Frauen und ich. Einige lachten, aber davon ließen wir uns nicht irritieren, denn irgendwie hatten wir schon damit gerechnet. Im Nachhinein gestand Darja, dass sie nicht ernsthaft blieb und sich ihr Grinsen nicht verkneifen konnte. Egal, Musik ging los und wir standen auf der Bühne. Vor uns 500 Leute, von denen wir nur die ersten beiden Reihen ungenau erkennen konnten, aber man fühlte: Der Saal war voll. Und der Saal wollte was sehen. Also legten wir los. Wir taten das, was wir schon seit Tagen, Wochen und Monaten geprobt hatten. Es war eigentlich Routine, aber fast schon befreiend, denn wir wussten ja, dass nun dieser eine Moment zählt. Und wenn es klappt, die ganze Arbeit, die viele Zeit und die unmengen an Streß nicht umsonst waren. Ich setzte meinen Schlag, er passte, flog dann nicht die verletzte Seite und wartete kurz, bis ich mich langsam wieder aufrafften, nach hinten begab und auf meinen zweiten Auftritt wartete, denn ich bin nicht so leicht tot zu kriegen. Unkraut vergeht nicht. Noch nicht. Und als es dann soweit war, stürmte ich los, traf Bennys Schwert in perfekter Geschwindigkeit und passend zur Musik. Denn das war die Stelle, die nie so richtig geklappt hat. Gut, überstanden, ich war tot, lag da und konnte das Spektakel aus der Perspektive eines Kleintiers erleben. Benny machte seine Sache richtig gut, auch die Hall-Effekte vom Dave kamen sehr gut raus. Danach kam Herr Petrichs Part. Ich drückte ihm die Daumen mit der Hand, die das Publikum nicht sah, und sah zu, wie er seinen Auftritt fehlerfrei durchzog. Auffällig war, dass das Publikum manchmal an geplanten Witzen nicht lachte, dafür an total unlustigen Stellen. Nach gut betonten Gerede unseres Relilehrers kam ne kurzes Musikzwischenspiel und ich kniff meine Augen wieder ein wenig auf, denn nun sollte die Feuereffekt vom Mike kommen. Genau, wenn der Trommelschlag bei der Musik einsetzte. Doch die Fontäne blieb still und irgendwie machte sich das Geühl breit, dass sich so manche Aussage doch bestätigen könnte, dass noch so einiges schieflaufen wird. Nachdem der Zwischenvorhang zugezogen wurde, sah ich dann Mike, der total frustiert aber gleichzeitig motiviert war, die anderen Effekte umso besser hinzukriegen. Irgendwie hatte man schon Mitleid, er hatte sich so ins Zeug gelegt und dann fängt's gleich so gut an. Ich ging dann hoch, mich umziehn für'n Maskenball. Plötzlich kam dann Anne rein, ich hörte nur ihre Stimme, die sehr weinerlich klang. In den ersten 10 Sekunden dachte ich eigentlich, sie weint und ich war total geschockt, hoffte aber, dass es doch nicht so schlimm sein wird, was denn passiert wäre. Sie erzählte, dass das Licht ausging, Hannes kommen und die Parkbank raustragen sollte. Tat er aber nicht. Das Licht ging an, die Parkbank musste raus und Anne trug sie selbst raus. Außerdem wäre irgendwie noch ihr Unterrock runtergerutscht ... Chris und ich schauen uns so an, dachten wohl das selbe und hofften einfach, dass es die einzigste Panne bleiben sollte. In den Generalproben ging eigentlich so gut wie alles schief, so einige Worst-Cases traten ein. Gut, erster Schock verdaut, setzte ich meinen schwarzen Zylinder auf. Chris übrigens auch und wir grinsten uns an, denn es gab zwei gute, schwarze Zylinder und drei hässliche, grau-rote. Die waren echt hässlich. Wir bekam die gottseidank als erste in die Hände und legten die uns auf die Seite. Lustigerweise kam Hannes auf uns zu und wollte mal tauschen. Aber wir lehnten beide ab, "wir haben schon die grauen probiert, aber die passen zumindest mir einfach nicht, ich hab halt nen zu großen Kopf, Hannes". Meinte ich nur. Und Hannes zog von Dannen. Maskenball fing an, meine liebreizende Tanzpartnerin Sabrina und ich liefen vor, ich sah zum ersten Mal direkt das Publikum und irgendwie fand ich's lustig. Wir liefen dann zu unsrem Tisch und warteten, bis die andren Paare da waren. Es folgte der "Lahmarsch-Tanz". In den Proben hatte ich mal die scheiß dumme Idee zu "Stille Post", also dass man sich immer an den Händen drückt. Und wir fassten uns an der Aufführung an den Händen und hatten eigentlich abgemacht, das in der Aufführung sein zu lassen. Aber irgendwie klappte es nicht, und so drückten wir die Hand unses Nachbarn so fest es geht ... eigentlich dumm. Hannes hielt die Zeit an, sagte seinen Spruch, schnippte und erweckte uns damit wieder zu leben. Die Musik ging los. Ich konnte jeden Beat auswendig, hatte sie schon unendliche Male gehört. Noch öfter wie Shakiras "Hipps don't Lie", dass zu manchen Zeiten täglich 7x im Radio beim Arbeiten lief. Es ging los, eigentlich reine Routine, aber dennoch war man im Kopf enorm konzentriert, wollte nichts falsch machen und dachte in Sekunde 1 schon darüber nach, was in Sekunde zwei folgen wird. Plötzlich begann das Publikum mitzuklatschen und machte wirklich genial mit. Es war ein unbeschreiblich geiles Gefühl, denn sie klatschten wegen uns, für uns. Und sportnen uns damit wahnsinnig an. Ich freute mich unglaublich und war für einen kurzen Moment völlig unkonzentriert, dachte dann aber "Steve, mach jetz bloß keinen Fehler!" und besinnte mich wieder auf meine liebe Sabrina, mit der ich genau wegen diesem Tanz schon so viel durchgemacht habe. Der Tanz war vorbei, es hat alles geklappt, sogar die blöde Drehung und ich war verdammt glücklich. So glücklich war ich selten, ich hätte Sabrina stundenlang umarmen können, so froh war ich, dass bisher alles einwandfrei lief. Zurück in der Umkleide war Chris mindestens genau so gut drauf, wir schauten uns an und sagten, dass wir jetz nichts mehr versauen, das Ding durchziehn und es ne geile Show , die an uns nicht scheitern wird! Es folgte eine kurze Pause, ich redete noch mit der sehr sympathischen Steffy, die absolut nicht eingebildet war, so wie es ein anderes Mädel behauptete. Nach nem fünfminuten-Smalltalk ging ich wieder hoch, wo Debbies Mutter schon überglücklich zu uns kam und vor uns niederkniete. "Ihr seid Kult, ihr seid einfach Kult! Da unten herrscht ne Bombenstimmung! Die Leute fressen euch aus der Hand!", meinte sie. Selbst Herr Petrich war total stolz auf uns und fand einige nette Worte. Aber der Gong ertönte, ich zog die Mönchskutte an, weiter gings. Ich stand dann bei "Minas Alptraum" als Mönch auf der Bühne. Ich bekam schon ein bisschen "Gänsehaut", als ich Mikes unglaublich geilen Bodennebel sah. Kleine, weiße, stufige Wölkchen, die über den Boden schwebten und unsere am Boden liegende Anne einhüllten. Es sah einfach nur unbeschreiblich genial aus und ich war froh, dieses geniale Bild aus der Nähe sehen zu dürfen. Aber genug gesehen, ich musste mich auf meine Aufgaben konzentrieren. Arme überkreuzen, bei Musikwechsel ausstrecken, bei Musikwechseln auf sie zulaufen, Anne wegschucken ... und schließlich ihren Ring aufheben. Minas Alptraum war meine persönliche Lieblingsszene, da einfach die Musik und das Geschehen auf der Bühne perfekt harmonierte und schlichtweg überwältigend wirkte. Zurück hinterm Vorhang schnappte ich mein Buch, dass ich unserem Erzähler geben musste. Julia hielt mir dankenderweise den Vorhang auf und ich marschierte rein. Es war total still im Saal und ich dachte nicht zum ersten Mal, dass unser Stück einfach verdammt gut angenommen wird und ich ein Teil von etwas wirklich Großen bin. Und ich sah immer mehr, dass es sich gelohnt hat, an diesem Projekt mitgearbeitet zu haben. Ich hatte noch einen Auftritt vor mir, in der letzten Szene. auch wieder als Mönch, mit einem LED-Teelicht in der Hand. Wir zogen dann passend zum Matrix-Theme ein und lauschtem Eikes Gesang, den er ohne Mikro-Unterstützung von sich gab. "Beschützt eure Gebieterin", meinte Benny. Und Debbie und ich zogen Anne von der Bühne. Im Gegensatz zu den Proben dachte sie und ich sogar dran, am richtigen Vorhangende rauszugehen. Hätten wir's wie in den Proben gemacht, wäre es peinlich geworden, denn wir konnten nicht beim Feuerwehrmann rein - und hätten sichtbar zum anderen Vorhangseingang gehen müssen ... was solls, es hat geklappt. Wir lauschten noch der Schlußszene, bereiteten uns auf den Abspann vor und warteten auf die Worte, auf das wir schon so lange warteten. "Wir sehen uns!". Der letzte Satz war gesprochen, Highway to Hell ertönte aus den HighEnd Lautsprechern des Stadtforums, wir fassten uns an die Arme, die Feuerfontänen taten, was sie tun sollten und wir standen vorne. Vor 500 Leuten, tosender Applaus, die Menge jubelte und wir standen da vorne. Ich wusste zwar, dass ich nur einen kleinen Teil dazu beigetragen hatte, aber gute Laune bekommt man dennoch. Wir standen dann vorne, im Halbkreis und lauschten Hannes Denkesrede. Irgendwie schauten wir uns dann alle an, und dachten wohl alle, dass er viel zu dick aufträgt und unnötig viel labert ... bis Debbie mit ihren spitzen Vampirzähnen mutig genug war, Hannes stilecht von der Bühne zu schleppen. Wir bekamen noch eine Rose von Frau Graf, lobten uns gegenseitig und waren alle überglücklich, dass wir es geschafft hatten. Zumindest die Premiere war geglückt.

Die Aufführung am nächsten Tag klappte auch sehr gut, aber die Details erspar ich euch. Unmittelbar nach der Aufführung mussten wir unseren ganzen Kram und die Requisiten aus dem Stadtforum schaffen. Der Abbau begann aber nur zaghaft, da wir Darsteller zum einen lieber mit dem Publikum redeten oder unsere eigenen sieben Sachen zusammensuchten. Aber nach einiger Zeit hatten wir es aber dennoch geschafft und freuten uns auf den restlichen Abend, denn beim Benny war eine kleine Abschlußfeier mit Essen und ähnlichem geplant. Es war ein kleiner schöner Abschluß einer langen, streßigen Zeit, in der es viele Probleme und Streiteien gab. Zwar klappte nicht alles wie geplant, aber das was geklappt hat, war meiner Meinung nach einfach klasse und ich bin wohl nicht der Einzigste, der es im Nachhinein keine Sekunde bereut, einen Teil zu diesem großartigem Theaterstück beigetragen zu haben, an dass sich noch viele Menschen lange erinnern werden.



Veröffentlicht von Stefan am 2008-01-22

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