WG13-Blog ''Nicht durch Zorn, durch lachen tötet man''

''Nicht durch Zorn, durch lachen tötet man''

und nach diesem Zitat von Nietzsche sind wir doch alle Mörder oder? Zumindest weiss ich es von mir, weil ich am Mittwoch herzhaft über die Kandidaten bei DSDS gelacht hab. Doch wenn man ein wenig nachdenkt gibts eigentlich keinen Grund darüber zu lachen. Die Abiprüfungen stehen kurz bevor und jeder von uns wird danach eine Ausbildung anfangen oder das Studium beginnen. Aber wie sieht es auf der anderen Seite der Medaille aus? Was ist mit denen ohne Schulabschluss? Den ,,Einfältigen''? Dem Bodensatz der Gesellschaft?

Einige von denen tauchen mit erschreckender Regelmäßigkeit bei den DSDS Sendungen auf. Erstaunlicherweise sinkt die Einschaltquote von DSDS nach den ersten Castings gewaltig, sobald alle hässlichen, talentfreien ''Freaks'' ausgesondert sind. Im Mittelalter war es oft üblich Menschen die sich vom Aussehen oder Verhalten von den ''Normalbürgern'' unterschieden haben, an den Pranger zu ketten und mit faulem Gemüse zu bewerfen. Sind wir so weit davon entfernt? Ich denke nicht, der einzige Unterschied zum Mittelalter ist das sich Menschen freiwillig an den Pranger stellen lassen und zwar nicht nur vor dem örtlichen Pöbel, sondern vor Millionen von Fernsehzuschauern. Warum ist das so? Warum lassen sich Menschen in aller Öffentlichkeit als ,,Dorftrottel'' darstellen? Oft sind es Menschen die sich ihrer eigenen Erbärmlichkeit nicht bewusst sind. Menschen die nicht verstehen warum sie ausgelacht werden. Da stellt sich natürlich sofort die Frage wo die Grenze zur geistigen Behinderung liegt. Ist es moralisch vertretbar geistig minderbemittelte Menschen vor eine Jury als Kanonenfutter zu stellen? Alles ein pures Kalkül der Produzenten, die diesen Menschen auch noch Hoffnung machen: Auf ein Leben im Rampenlicht, auf eine Showkarriere. Obwohl ihnen klar ist das diese Personen nur als Witzfiguren fürs Abendprogramm enden. Erstes Beispiel Mario Teusch: Mit einer Urkunde von der Dorfkirmes gerüstet, deren Inhalt er nicht versteht, macht er sich Hoffnung auf eine Gesangkarriere. Mit naiver, hoffnungsvoller Miene schwafelt er sinnloses Zeug und wird von Bohlen und Co. natürlich sofort in Grund und Boden gestampft. Ein Glück für ihn das er die Beleidigung und Demütigung nicht versteht die im gerade widerfahren ist. Die Jury wischt sich sofort die Hände ab als sie den ''Freak'' angefasst haben. ''Der hat sich doch gerade einen Runtergeholt'' kommentiert dazu Bohlen.

,,Präkariat'' heisst der neue Begriff für die Unterschicht in Deutschland. Meist Menschen ohne Bildung die durch die Raster der Gesellschaft fallen und oftmals als Kandidaten bei DSDS wieder auftauchen, nur die Spitze des Eisbergs! Wen man sonst im Leben nichts erreicht hat und sich voller naiver Wunschvorstellungen in eine Castingshow begibt ist es es natürlich eine berechtigte Frage welche psychischen Konsequenzen es für so einen Menschen hat, selbst wenn er vieles nicht versteht was ihm gesagt wird. Zum Thema psychische Konsequenzen fällt mir auch direkt der Junge ein der nachdem er ,,die perfekte welle'' ''gesungen'' hat kollabiert ist. Da denkt man sich natürlich direkt: Ist es überhaupt Verantwortungsvoll einen Jugendlichen er offensichtlich in seiner Persönlichkeitsentfaltung erhebliche Defizite hat vor einem Millionenpublikum bloßzustellen?

Aber die andere Seite ist auch nicht besser. Junge, talentierte Sänger die sich gelegentlich in die Sendung verirren werden sofort auf Bohlenproduktionen gezwungen bevor es mit ihrer Karriere zu ende geht und sie im Dschungelcamp landen. Bei DSDS ging es eigentlich noch nie um Musik, es ging immer nur um Vermarktung und Geld. Dabei ist es egal ob jemand singt wie Gladis Knight oder Aussieht wieder Glöckner von Notre Dame. In beiden fällen siegt RTL und der menschliche Abfall wird im Australischen Dschungel entsorgt.

,,Du hast doch ganz andere Probleme als das singen'' Ich glaube mit dieser Ausage trifft es Bohlen auf den Punkt, ob er nun will oder nicht

Veröffentlicht von Hemphans am 2008-01-26

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