Die Tage werden kürzer, die Nächte länger ...
... wenn der Storch das langersehnte Kind vor der Haustür abliefert. Denn davon handelt unsere kleine Abenteuergeschichte: Eigentlich begann sie schon am Dienstag morgen. Ich war ziemlich zeitig dran, da ich noch vor der ersten Stunde mit Herrn Müller reden wollte, weil er mir einen Gefallen erledigen sollte. Aber daraus wurde es nicht, denn Herr Müller kam nicht. Herr Frühbauer klärte den etwas verwirrten DV-Kurs auf und überraschte uns mit einer erfreulichen Nachricht: Das Baby soll kommen!
In der fünften Stunde etwa kam mir dann die Idee, dass wir als Klasse doch unserem Lieblingslehrer schlechthin doch eine Überraschung bereiten sollten. Wie üblich, holte ich darauf hin ein Blatt aus meinem Schulranzen und sammelte ein paar Ideen. "Wir könnten doch das Klassenzimmer wie damals bei der Deutsch-Weihnachtsfeier dekorieren", sagte ich. Und so legte ich los, wie wir ein Klassenzimmer Baby-gerecht einrichten könnten. Man könnte ja eine Schnur über die Klassenzimmer spannen und daran Windeln aufhängen, damit es wie eine Wäscheleine aussieht. Plüschtiere sind natürlich auch immer sehr cool und kindgerecht. Watte. Musik muss her. Und natürlich was zum Essen. Vielleicht ein Kuchen? Oder doch eher Knabbereien? Wie wäre es mit einem Laken, wo wir was mit Farbe draufsprühen könnten? Farbige Lichter sind natürlich auch klasse! - Und das Konzept war geboren. Mit dieser Idee konfrontierte ich Sarah, die daran zweifelte, dass ich das ganze Zeug so schnell besorgen könnte, aber es generelll gut fand. Sonja bekräfte Sarahs Meinung und gab mir Rückendeckung. Dennoch wollte ich noch die Meinung meiner lieben Jutta hören, auf die ich ja meist zurecht höre. Jutta und Vivi waren dann nicht so begeistert und meinten, "wir sollten doch lieber zusammenlegen und einen Strampler oder sowas kaufen". Aber davon war wiederrum ich nicht begeistert, denn das ist ja etwas normales, was jeder bekommt. Bekäme ich sowas geschenkt, würde ich mich artig bedanken, mein aufgesetztes Lächeln aus dem Keller holen und mich in drei Tagen nicht mehr daran erinnern können. Aber das wollte ich nicht - entweder machen wir was besonderes, oder zumindest ich organisier gar nichts. Nach meinem Gespräch mit den beiden Evangelistinnen traf ich erneut auf Sonja, der ich meine Zweifel offenbarte. Sie überredete mich jedoch dazu, dass ich die Sache durchziehen sollte. Nach der Mittagschule und mehr als drei Stunden bei der Arbeit machte ich mich mit Angela auf den Weg zu meinem Bruder. Von ihm erhoffte ich mir einige Sachen für Babys zu ergattern, da er seit über einem halben Jahr stolzer Vater und daher bestens ausgerüstet ist. So hatte er zur Taufe solche Holz-Babys herausgesägt und die Gesichtszüge eingebrannt. Die kamen wirklich einmalig gut heraus und waren echt süß. Also nahm ich sie gleich mit. Außerdem bekam ich großzügigerweise einen lebensgroßen Winnie-Pooh Aufkleber und ein paar Quietsche-Enten. Um die Windeln aufzuhängen, legten wir noch einige Wäscheklammern in meine Tüte. Und dann ging's gleich zur nächsten Station: Es war unsere zweite Heimat, das Kaufland. Der Ort, an dem wir so manche Freistunde vergäudet bzw. verbracht haben. Ich marschierte dann kurz vor Ladenschluß noch herein, begab mich in den ersten Stock und war schockiert, wie viel so eine Packung Windeln kostet. Kein Wunder werden so wenig Paare Eltern! Ich entschied mich dann für die tollen Windeln mit den sympathischen, aufgedruckten Cartoon-Babys für knapp 8 Euro. Außerdem kaufte ich noch eine 3er Packung Tesa, eine Schnur und Schnellhefter. An der Tiefkühltheke hatte ich nun die Qual der Wahl, denn es gab jede Menge Kuchen zur Auswahl. Die Palette reichte vom einfachen Käse- oder Pflaumenkuchen bis hin zur Sahnetorte. Ich entschied mich dann zum preisgünstigen Pflaumenkuchen und ging zur Kasse. Es ist vielleicht etwas seltsam, wenn ein Schüler, kurz vor 22 Uhr mit einer Packung Windeln, Schnellhefter und nem Pflaumenkuchen an die Kasse kommt, denn um die Zeit kaufen die meisten Menschen eher Hochprozentiges. Ich ladete das ganze Zeug in meine Angela und brauste nach Hause. Dort packte ich noch eine Leselampe, farbige Glühbirnen, Farbspray und den CD-Player in die Tasche. Ines wollte ein Laken mitbringen, auf das wir mit dem Farbspray etwas draufsprühen konnten. Außerdem druckte ich noch etwa 20 Infoblätter heraus, um die Kommunikation zu erleichtern.
Am Mittwoch war es dann soweit. Ich hatte alle Utensilien dabei, verteilte die Infoblätter an den Mathekurs von Herr Waldenmeier bzw. Herr Alles. In der Pause dann fragte unser Frederik, ob Herr Müller überhaupt da wäre, denn sein Vater hätte gestern mit ihm telefoniert, aber das Kind wäre nicht gekommen. Parallel dazu merkte Alexander Rist an, dass Herr Gruber gesagt hätte, dass ein Lehrer, der frisch Vater wurde, zwei Tage frei bekäme. Das Chaos war also perfekt - also musste Klarheit her. Sonja unterstützte mein Vorhaben und wir fragten zuerst im Lehrerzimmer nach, wo Herr Müller sei. Man meinte, dass er erst zur 6. Stunde kommen würde. Auf dem Weg zurück in die Pause trafen wir noch Herr Frühbauer. Auch er konnte uns keine ganz genaue Info geben, aber er ging soweit ich noch weiß, davon aus, dass er zumindest am heutigen Tag kein VBRW in der Klasse 13 geben wird. Also wurde die Aktion auf morgen vertagt. Die Pause nutzen wir dennoch aus. Ines brachte mir das Laken, dass wir ansprühen wollten. Letzteres erledigten Patti und Janina: Wir gingen zu dritt raus zum Kiesparkplatz, holten die Spraydose und Janina sprühte liebevoll "Herzlichen Glückwünsch" auf das weiße Laken. Auch wenn die letzten Buchstaben recht knapp draufgepasst haben - ich glaube, das Zuspätkommen in die Physikstunde hatte sich gelohnt. Danach hatte der Müller-VBRW Kurs eine Freistunde und da Janina nichts zu tun hatte, drückte ich ihr einen 10er Pack Schnellhefter in die Hand und bat sie darum, aus den farbigen Rückseiten Füße auszuschneiden. Diese Füße wollte ich dann vor die Tür legen, als eine Art "Fußspur", auf die jeder Pfadfinder neidisch werden würde.
Am Donnerstag hätten wir in der großen Pause aufbauen sollen. Da Herr Frühbauer und das Sekretariat nicht wusste, ob Herr Müller kommt und es auch überhaupt unsicher war, dass der Nachwuchs auf die Welt gekommen ist, rechneten wir eigentlich fest damit, dass Herr Müller nicht anwesend war. Zur Sicherheit schaute ich auch auf den Parkplatz, aber sein Auto war auch nicht da. Somit war die Sache klar - dachte ich. Doch dann geschah das unerwartete: Der Müller-Kurs, der sich schon mental auf eine Freistunde vorbereitet hat, wurde überrascht, denn Herr Müller betrat den Raum, das Kind war auch da. Aber keine Überraschung. Ich war enttäuscht. Und Janina und andere wohl auch, denn wo ist die Überraschung? Ich verließ dann den Raum und überlegte, was ich nun tun sollte, denn das kann es ja wohl nicht gewesen sein. Ich fühlte mich ziemlich leer und in meinem Bauch machte sich das ungute Gefühl breit, versagt zu haben. Aber ich wollte nicht so leicht aufgeben und ging ins Sekretariat. Ich fragte, in welchen Räumen Herr Müller heute noch sei. Die Sekretärin war zuerst hilfsbereit, kam jedoch ins Zweifeln und fragte, warum ich das denn wissen möchte. Vielleicht seh ich ja einem Amokläufer ähnlich, aber ich erklärte dann, dass wir ihn einfach überraschen wollten. Auf jeden Fall hatte er nur noch heute eine BK2 Klasse, am Tag drauf hatte er komplett frei. Also musste ich die BK2 Klasse aufsuchen und sie in unsere Geschichte einweihen. Leider wussten wir nicht, wer diese Klasse war. Michael war jedoch gar nicht so dumm und schaute auf den von Anne und Co erstellen Plakaten für den Infotag nach. Und in der Tat war dort ein Klassenfoto von der BK2 Klasse zu sehen. Und wie es der Zufall so will, läuft gerade eine Lehrerin vorbei und meinte, dass sie diese Klasse gerade hätte. Ich erzählte ihr dann von der Idee und zeigte ihr ein Infoblatt mit den ganzen Sachen, die wir geplant hatten. Sie war ganz begeistert und ich fügte an, dass es positiv wären, wenn die Klasse wüsste, was auf sie in den beiden letzten Stunden zukommt. Ich versuchte sie zu überreden, dass sie ihre Klasse informiert und das Infoblatt durchgehen ließ, aber sie bestand darauf, dass ich es selbst sage. Ich zweifelte ein wenig, da ich das ungute Gefühl hatte, dass man mich danach für'n total assigen Freak hielt. Aber es führte kein Weg daran vorbei und scheitern sollte es nun auch nicht. Also hab ich der Klasse dann unseren Plan erzählt und er wurde eigentlich gut aufgenommen. Zeitgleich kam eine SMS von der Janina, die vorgeschlagen hatte, die Party doch vor der Türe aufzubauen. Sie bekam dann von mir eine Antwort, dass sie doch bitte herauskommen sollte. Machte sie jedoch nicht, so dass ich nen feschen Burschen ansprach, der gerade dabei war, sich vor dem PC zu langweilen. Und er klopfte dann und holte unser fesches Mende-Girl raus. Ich erzählte ihr von unserer Planänderung und hoffte darauf, dass sie es ein wenig weitergab. Danach holten Jessi, Dave, Michael und ich die Sachen von meinem Auto und legten es in unser BWL-Klassenzimmer. Dort bereite ich Michael auf seine Aufgabe vor, eine Kamera mit Stativ auf dem Schrank zu platzieren. Verena gruschtelte schon in meinen Taschen rum und war von den Plüschtieren sehr angetan. Ich ging dann meinen Plan noch mit den beiden durch und stellten fest, dass die A-Klasse bei der Frau Albrecht einen Film in genau dem Raum anschauten, wo Herr Müller die beiden Stunden darauf unterrichten wird. "Pefekt", dachte ich, denn wir konnten somit das Zeugs schon vor der Pause reinbringen. Leider hatte Herr Müller zu dieser Zeit noch unterricht. Michael stand an einem Ende vom Gang, ich am anderen Ende - und schaute durch den Schüler-DV-Raum, wann er den Raum verlassen wird. Es dauerte eine Weile, aber dann ging er in den Serverraum. Wir schnappten die zahlreichen Taschen und rannten wie bescheuert durch die engen Gassen der kaufmännisch-soziapflegerischen Schule und hofften, dass Herr Müller uns nicht sieht. Aber die Geschichte ging gut aus, das Zeugs war im Raum. Die erste Hürde war übersprungen. Michael und ich hatte noch eine Freistunde. In der 5. Stunde war eine Besprechung seitens Herr Frühbauer und er wollte nicht zu spät kommen. Also sprach er unseren Abteilungsleiter darauf an, jedoch reagierte er nicht sehr erfreut. Michael wollte keinen Ärger und meinte nur, dass er die Kamera aufstellt und danach ging. Ich verstand ihn, jedoch konnte ich als "Organisator" ja nicht direkt nach dem Läuten abhauen. Nachsitzen hin, nachsitzen her - die eine Stunde reißt in meiner Karriere hier auf der Schule auch nichts heraus. Es klingelte, unsere Stunde hatte geschlagen. Mit einer Kamera bewaffnet betrat ich den Raum, gab meine Waffe weiter und stellte die Taschen auf den Tisch. Die Aufgaben wurden verteilt, Patty und so hängten das Laken mit meinem frisch gekauften 3er Pack Malerklebeband auf, Jutta verteilte die Plüschtiere. Ich holte die Holzbabys heraus und wollte, dass man sie im Raum verteilt. Danach ging's ans Eingemachte, die Schnur sollte gespannt werden. Wir befestigten sie an einem Thermometer, zogen sie durch die Beamerhalterung an der Decke und verknoteten sie schließlich an einem Monitor, der oben auf dem Schrank stand. Nun folgten die Windeln. Marcel Hugger hatte sichtlich Spaß, die Windeln stylisch aufzuhängen, während unser Alexander erstmal so eine Windel begutachten musste. "Hast du etwa noch nie eine Windel gesehen", meinte Michaela entsetzt. Ehepaar Müller bekam einen Jungen, also wollte ich eine blaue Glühbirne in die Fassung drehen. Jedoch war die Lichtausbeute dermaßen gering, dass ich doch die rote Birne nahm. Nun kam der CD-Player dran. Es war eine CD mit Hits wie Schnappi, Hey Baby von DJ Ötzi oder No Doubt drauf. "Ice, Ice Baby" von Vanilla Ice hatten wir auch im petto. Wir verteilten noch die Servietten und Teller für den Kuchen, dann war es schon so weit. In letzter Minute legte Patty noch ihre Fußabdrücke (welche Ivana ausgeschnitten hat) vor den Raum, der lebensgroße Winnie-Pooh Aufkleber klebten wir auch noch an die Türe. Die Musik lief, die Leute vor der Türe spickten neugierig in den Raum hinein. Die BK2-Klasse war auch schon anwesend und betrat den Raum. "Der Papa kommt", meinte Hugger und wir pausierten die Musik und warteten gespannt. Ich war am CD Player, merkte dann aber, dass dieser ausgeschaltet war. In all dieser Hektik ist tatsächlich jemand über's Kabel gestolpert. Herr Müller betrat dann mit einem Lächeln auf dem Gesicht den Raum und war sichtlich erfreut. "Ich bin echt erschlagen", meinte er nur und hob das Foto vom kleinen Miro stolz hoch. Mittlerweile hatte ich auch die Musik wieder zum Laufen gebracht, was für Gelächter und gute Stimmung sorgte. Dennoch mussten die 13er weiter, denn Herr Frühbauer wartete auf uns. Dennoch blieb zumindest eins da: Die Kamera auf dem Schrank, die nicht nur den Aufbau sehr gut filmte, sondern auch die Minuten danach. Sehr unterhaltsam war etwa, wo die Schüler die Quietsche-Enten entdecken und wie wild drauf rum drücken. Oder mein Plüschpanda ist ja "sooo süüüß". Und dann entdecke Herr Müller den Kuchen und die gesamte Klasse stürmte nach vorne. Zwei Stunden später wollten wir dann abbauen. Wir betraten den Raum und uns wurde gleich eine Hiobsbotschaft mitgeteilt: Die Kamera auf dem Schrank hätte nicht aufgezeichnet. Ich konnte es kaum glauben, da Michael schon Ahnung von Techik, aber vorallem beinahe die selbe Kamera besaß. Aber die Nachricht stellte sich als Ente heraus, denn es wurde sehr wohl aufgezeichnet. Den Kuchen verteilte Herr Müller nach Absprache an die BK2-Klasse und schließlich bauten Patty, Janina, Michael und ich ab. Insgesamt hat sich Herr Müller meiner Einschätzung nach sehr gefreut und ich denke, es war für alle Beteiligten mal wieder ne Aktion, die man nicht so schnell vergessen wird. In meinen letzten Zeilen möchte ich vorallem ein paar Leuten danken, ohne die das niemals so gut geklappt hätte. Vorranig Sonja, die mich motiviert hat, die Sache durchzuziehen und auch beim Planen mitgeholfen hat. Dann selbstverständlich Michael, der mir zur Seite stand, als wir unseren Plan ändern mussten und für die perfekte Kameraaufnahme sorgte. Und zu guter letzt möcht ich unseren beiden Engeln, der sexy Patti und der lieben Janina danken, die von der Idee fast so begeistert waren wie ich und mich tatkräftig in jeder Hinsicht unterstützten !!
Video vom Aufbau
Kurze Zusammenfassung und Eintritt von Herrn Müller
Zeitraffervideo vom AufbauVeröffentlicht von Stefan am 2008-03-20
