Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben: Rückblick Klasse 11 (1/3)
"Es war einmal ein kleines, unscheinbares Mädchen. Es zog in eine neue Stadt, musste sich in einem neuen sozialem Umfeld orientieren, mit Konflikten umgehen, ihre Grenzen überschreiten und hart arbeiten, um ihr Ziel zu erreichen. Nach einigen Jahren hatte sie es fast geschafft, ihren großen Traum zu verwirklichen ..." - Was nach einem Drehbuch für einen Kinofilm klingt, könnte doch eigenlich auch auf euch zutreffen. Denn habt ihr nicht voller Ziele und Erwartungen im September 2005 das Gebäude der damaligen Käufmännischen Schule betreten? Seid nicht ihr als "Niemand", als "einer von vielen" auf hier her gekommen, um euren kleinen American Dream zu verwirklichen? Der Schulalltag ist doch wie ein Film und wir sind mitten drin. Das Drehbuch bestimmen wir - und das "Happy End" jeder einzelne von uns.
Schon lange ist er her. Dieser gefürchtete, erste Schulalltag an der neuen Schule. Ich glaube, jedem ging es gleich - denn keiner wusste genau, was auf einem in den kommenden drei Jahren zu kommen wird. Man betrat das Schulgebäude, hatte keine Ahnung, wohin wir gehen musste. Man war auf der Suche nach vertrauten Gesichtern, aber vor allem nach einem Plan, der die Orientierung in dieser neuen Welt erleichtern sollte. Zumindest ein Raumplan mit Klassenliste und Lehrernamen hing dann aus. Damals konnte man nicht einschätzen, wie wichtig dieser eigentlich war - denn auf ihm war zu sehen, mit welchen Leuten man die kommenden Jahren viel Zeit verbringen wird. Und viel maßgeblicher: Welche Lehrer dafür bezahlt werden, uns Schäfchen in den trockenen Stall der Fachhochschulreife zu bringen. So stellte sich recht schnell heraus, dass nicht alles Gold ist, was glänzt - denn neben einem schlauen Fuchs gibt's in fast jeder Fabel auch eine dumme Gans.
Wie vielen anderen blieben auch mir die ersten Schritte in das neue Klassenzimmer in Erinnerung. Man hatte nun die Qual der Wahl, neben wen man sich setzen sollte. Gar keine so leichte Entscheidung - vorallem wenn man wie ich ziemlich spät dran ist. Die verschiednen Typen waren so unterschiedlich wie die Wolken am Himmel. Mit einer Ausnahme, denn wir hatten Zwillinge in der Klasse. Ich saß dann vorerst neben Tobias, da er mir doch nen ganz vernünftigen Eindruck machte. Ich versuchte dann, ein Gespräch anzufangen - wo er denn her kommt und die üblichen Dinge halt. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde bekam meinen einen kleinen Eindruck, mit wem man es zu tun hatte.
Spätestens im einwochigen Vollzeit-Lernzirkel namens Dobelmühle, in der sich nicht nur Herr Müller wohl fühlte, lernte man seine Mitschüler recht gut kennen. Um mal wieder auf's Filmthema zurück zu kommen: Unser kleines Potpouri wartet unter anderem mit dem damals noch langhaarigen Raucher aus Überzeugung Patrick auf, der sich gut mit der kleinen, lieben Vivi verstand. Damals war sie noch mit Freddy zusammen, den sehr großen, schwarzlanghaarigen Metal-Menschen. Nicht vergessen ist ebenso Anna, die uns einige Wochen zuvor mit dem offenen Outing ihres Schicksalsschlags schockierte, dabei aber Stärke bewies und ihrem Selbstbewusstsein keinen Abbruch tat. Und wer erinnert sich noch an Isabelle: Das authentische, super-sympathische Mädel, dass total übereifrig zwischen Alpha und Omega herum hüpfte, um gute Laune zu verbreiten. In der Dobelmühle wurde ihr dann aus Lehrerkreisen eine Affäre mit dem Klassenclown Matze mehr oder weniger unterstellt, die sich natürlich nicht als wahr herausstellte. Matze war wohl einer der Mitschüler, der stärker im mündlichen war wie Mike Tyson im Ring, denn ohne ihn würden manche Lehrer heute noch auf eine Antwort seitens der Klasse warten. Unvergessen werden wohl seine ermüdlichen Diskussionen mit Herrn Ott oder Herrn Fuchs bleiben. Außerdem gehörte er zu der zumindest mir unsympathischen Gruppe von Golf-Fahrern, die noch stolz auf ihr Vehikel sind. Und dann gab es noch Dardan, der trotz seines geringen Alters mehr Reife wie ein roter Apfel besaß und mit seinen überraschend lustigen Kommentaren Pluspunkte bei den Mädels sammelte, aber auch in so manchem trägen Unterricht ein Lächeln in das Gesicht seiner Mitschüler zauberte. Erwähnenswert ist auch noch Florian Thomas, kurz Flotho, den man so als sympathischen Kollegen von nebenan mit Potential auf ein Langzeitstudium einschätzte. Er gehörte eher zu den braven Menschen, die aber immer was zu erzählen und ein Maß Bier in der Hand hatten. Florian blieb ebenso wie Matthäus in der elften Klasse sitzen, da er leider nicht so viel Talent in Sachen Physik wie beim Rappen besitzt. Und seine Antwort auf die Nichtversetzung war ein "Gedicht via HipHop", sein Track "KS Bad Saulgau", den er uns im Partykeller der Dobelmühle in einem recht langen Konzert präsentierte und nicht nur die versammelten Schüler, sondern auch die Lehrer beeindruckte. Mit Worten wie "ich bin Denker und keine Maschine" oder "ihr seid wie das Fernsehen, ihr wollt nur Quoten" brachte er nicht nur Herr Frühbauer zum nachdenken.
Die Dobelmühle ist kein Schnellimbiss und Mama weit weg, also mussten wir selbst den Herd anheizen. Da gab's so einige Dinge, die nicht so gut liefen. So wird wahrscheinlich unser Michael wohl nie sein Geld mit Kochen verdienen, da er nicht wusste, wie man Salat wäscht und gleichzeitig zwei Töpfe Nudeln verkochte. Viel mehr Glück hatte auch die Gruppe Dardan-Arjanit-Furkan nicht - denn die vegetarischen Spagetthi, die nur aus Nudeln und Käse bestehen waren nicht viel besser als die Version mit Soße. Das zeigte auch die "Meinungs-Metaplan-Wand", an der die Schüler positive oder negative Dinge anmerken konnten. Dort gab es nämlich jeden Tag lobende Worte für das Essen, bis es dann die besagten Spagetthi gab. Trotz aller Höhepunkte wie die Kletterwand oder der Tiefpunkte war es ansich eine schöne Woche - die Lust auf mehr machten.
Vorallem Lust auf mehr Schule, denn die Dobelmühle war die erste Station unsers Zirkeltrainings in Sachen Methodenkompetenz. Darunter versteht man den verantwortungsvollen Umgang mit Medien wie Palakten, Diagrammen und deren Herstellung. Ebenso natürlich die Präsentation und Auftretensweise ansich. Vielen viel es anfangs schwer, sich vor die Klasse zu stellen und frei zu reden, aber ich denke, dieses Gefühl ist nach den unendlich vielen Präsentationen in VBRW bei Herrn Frühbauer oder bei Frau Wernet größtenteils verflogen. Übung macht halt meistens doch den Meister. Aus der selben Feder entspringt auch das Methodenspiel: Ein Mensch-ärgere-dich-nicht Feld, aufgeteilt in vier Farbbereiche, die jeweils ein Methodenbereich, wie zum Beispiel Textarbeit repräsentieren. Eigentlich war die Idee sehr gut, zumindest mich hat es manchmal doch sehr motiviert. Gescheitert ist es unter anderem daran, dass die Bewertungskriterien wie bei einer GFS nicht klar genug definiert bzw. eingehalten werden. Denn während man bei Lehrer Kunz für einen einfachen Vortrag einen Punkt bekam, wäre der gleiche Schüler mit dem gleichen Vortrag bei Frau Kunz leer ausgegangen. Das war aber zum Glück eher die Ausnahme - und das nicht nur, weil es das letzte Jahr von Frau Kunz an unserer Schule war.
Neben dem Methodenspiel gab es noch das Getränkeplanspiel im Kernkompetenzfach VBRW. Wir wurden durch das Losverfahren in verschiedene Gruppen eingeteilt, die allesamt die Aufgabe hatten, unternehmswirtschaftliche Entscheidungen für eine simulierte Getränkefirma zu treffen. Natürlich war es nicht nur Spaß, denn wir sollten ja auch was dabei lernen. Das taten wir unter anderem durch das Ausfüllen von zahlreichen Formularen, die uns Herr Frühbauer ausgeteilt hat und wir Dinge wie Maschinenabschreibungen usw. eintragen konnten, durften, mussten. Relativ schnell kristallisierten sich die Top-Favoriten heraus: Die Gruppe Sabevitoni (die ihren Namen aus den Anfangsbuchstaben der Vornamen zusammensetzen) und Saftladen Maier Gmbh gewannen dabei deutlich die erste Spielrunde, konnten aber ihren Vorsprung gegenüber der Kelvin Company, Jamara oder McFresh nicht sonderlich halten. Meine Gruppe, bestehend aus Arjanit, Dardan, Furkan und Malek konnte sich nicht wirklich über Wasser halten, bis sie im 5. Geschäftsjahr die fünffache Menge an Konzentrat einkaufen und damit Millionenverluste einfuhren, welche sie bis zum Spielende nicht abbauen konnten.
Ansonsten war die Woche eigentlich immer ganz chillig. Ihr erinnert euch bestimmt nicht mehr an euren Stundenplan, aber die Woche begann mit einer Doppelstunde Deutsch, einer Stunde GGK, einer Doppelstunde VBRW und schließlich Englisch. Mittags hatten wir noch Mittagschule, nämlich zwei Stunden DV. Es überrascht euch jetzt, dass ihr darauf nie gekommen wärt? Verständlich, ist ja auch schon gut zwei Jahre her. Einer meiner Lieblingstage war der Donnerstag, denn da hatte der FiMa Kurs zwei Freistunden, während die anderen ihre Wahlfremdsprache hatten. In der Zeit gingen wir fast immer in die Dönerbude, um uns die zwei Stunden mit dem Verzehr von Pizza versüßten. Wir waren da schon richtige Stammgäste und der Besitzer hat mich sogar mal beim Joggen wiedererkannt. Natürlich haben wir in den Freistunden doch so einiges erlebt. Wir waren bei Michaela im Gummibärenhaus, drehten am Glücksrad vom neueröffneten Müller, um tolle Geschenke wie einen Fußball, Kräutertee oder ähnliches geschenkt zu bekommen, dass wir in der darauffolgenden Mathestunde was zu tun hatten. Unvergessen bleibt wohl auch die Aktion von Michael, den wir dazu überredeten, an die Tür des Italienischkurses zu klopfes und unserem lieben Tobias eine Pizzaschachtel zu übergeben. Eine leere Pizzaschachtel wohlgemerkt. Auch so ne unsinnige Aktion war es, über den zugefrorenen See zu laufen. Daran war Alexander und ich beteiligt, um vom Michael einen Euro zu erhalten. Irgendwann begann es dann zu knacksen, wir riefen nur ein paar Schimpfwörter und nahmen unsere Beine in die Hand, um vorsichtiger als die Mutter der Porzellankiste vom Eis zu gelangen. Legendär war auch die erste Freistunde. Wir waren im Aufenthaltsraum und lästerten schon damals über Uri Geller. Wir versuchten dann, seine Tricks nachzumachen. Zum Beispiel hebten wir einen auf 'nem Stuhl sitzenden Mitschüler nur mit unseren Zeigefingern hoch. Das beobachtete jedoch Herr Fritsch, der das gar nicht lustig fand. Er wollte dann, dass ich zu ihm komme und klärte mich über mein Fehlverhalten auf. Außerdem musste ich nachsitzen. Meine Kollegen sollten auch, aber ich sollte es ihnen sagen. "Wenn es wahre Freunde sind, helfen sie dir". Matthäus und ein paar andere erbarmten sich dann sogar und ich war beim Hofdienst nicht alleine. Es war eine schicksalhafte Begegnung, denn ich würde den Hausmeister in den kommenden Jahren noch öfter gesellschaft leisten. Mittlerweile sind wir sogar per-du und ich werde mit einem "Guten Morgen Steve" begrüßt. Überhaupt war FiMa schon in der 11. Klasse ein sehr lehrreiches Fach: Wir lernten, dass es aus finanzieller Sicht besser ist, wenn man über einen bereits angefahrenen Menschen "nochmal in den Rückwärtsgang schaltet und auf Nummer sicher geht", da man ja sonst "ein Leben lang aufkommen muss, falls er berufsunfähig wird". Und so muss man nur die "Beerdigungskosten" begleichen. Außerdem verbrachten wir das erste halbe Jahr damit, einen Fragebogen zu erstellen, um ihn anschließend unseren Mitschülern zu präsentieren, die natürlich voller Begeisterung ausfüllten.
Natürlich hatte das Jahr auch ein paar Skandälchen und Aufreger. Einmal war es die Note 6 für Furkan und Malek im Fach Deutsch. Furkan hatte den Aufsatz von seinem Nebensitzer 1:1 abgeschrieben, was unsere Lehrerin natürlich mitbekam. Auch wenn die beiden versuchten, die Schuld auf Furkan zu schieben, um zumindest die Note von unserem Nesthäkchen zu retten, blieb die junge Griechin hart und gab nicht nach. Die selbe Lehrerin sorgte in der Parallelklasse laufend für Zündstoff: Matthäus erzählte laufend von irgendwelchen mehr oder weniger sinnvollen Storys, die ihre GGK-Lehrerin von sich gab. So gäbe es etwa eine Frau, die zwar keine Beine hatte, sie aber landesweit eine der besten Reiterinnen ist. Uri Geller würde das ja noch für möglich halten, aber dass die selbe Frau gleichzeitig an zwei Orten präsent ist, würde nicht mal unser Lieblingslöffelbieger glauben. Außerdem hielt Marian einmal ein freiwilliges Referat, bekam dafür nicht mal einen Methodenpunkt und verschlechterte sich notentechnisch sogar. Laut den Zuhörern vollkommen zu unrecht, aber wer nun mal am längeren Hebel sitzt, ist eben in der Lage zu sagen, wo es lang geht.
Gemütlicher ging's da schon im Unterricht bei Herrn Flinspach zu: Sowohl in DV, als auch in Bio oder Chemie stand vorallem der Spaß am Lernen im Vordergrund. In die Geschichtsbücher wird ziemlich wahrscheinlich der Versuch mit dem Wasserstoffbalon eingehen. An einem mit Wasserstoff befüllter Luftbalon wurde eine Schnur befestigt. Durch den leichten Wasserstoff schwebte der Balon nach oben. Nun zündete unser Lehrer die Schnur an und wir warteten gespannt drauf, bis das glühende Ende den Ballon erreichte, damit es ordentlich knallt. Doch statt einer Knallgasreaktion wurde selbst Herr Flinspach überrascht: Der Wasserstoff strömte so aus dem Mundstück des Luftballons heraus, dass der Ballon wild im Raum zusammen mit einem hörenbetäubenden Lärm herumzischte. Mindestens den selben Unterhaltungswert hatte das Trocknen der Tafel mit einem Fön. Es dauerte einfach zu lange, bis die Tafel durch die Raumtemperatur wieder schreibbereit war, also Griff unser damaliger Vertrauenslehrer zu einem pinken Haartrockner. Wir sparten zwar nur bedingt viel Zeit, aber die Schüler waren dann umso motivierter, die darauffolgenden Worte von der Tafel abzuschreiben.
Und dann gab es noch Herrn Ott: Unseren kleinen, sympathischen und vorallem bodenständigen Lehrer, mit dem man über alles reden konnte und wirklich sehr viel Verständnis für die kleinen und großen Probleme im Schulalltag hatte. Besonders am Anfang war der Unterricht sehr außergewöhnlich. Wir bekamen große Blätter und durften einen Baum malen, die wir anschließend interpretierten. Und wenn wir nicht gerade malten, dann meditierten wir. Wir schoben die Tische zur Seite, standen mit geschlossenen Augen da und stellten uns vor, wir wären Bäume ... die im Wind wogen, bis ein Gewitter aufzieht und der Regen niederprasselt. Klingt lächerlich, war aber ganz cool. Vorallem, weil es alle ernst nahmen und voll bei der Sache waren. Im zweiten Halbjahr waren Referate angesagt. Wir wurden in Gruppen eingeteilt und bekamen ein Thema zugewiesen. Einige Gruppen machten sich ziemlich Mühe. Spontan fällt mir das Referat von Anne und ich glaube Manuela zum Thema Weihnachten ein. Weihnachten in Polen: Sie hatten das Zimmer mit Lichterketten geschmückt und deckten einen Tisch genau so, wie man ihn am Tag von Christi Geburt in den meisten Haushalten Polens zu Gesicht bekommen würde. Sie erklärten, wie es abläuft und worin die Unterschiede zur typisch deutschen Weihnachtsfeier lägen. Und zum Schluß bekam jeder von uns selbstgebackene Brötchen, von denen Benny keins aß, weil ein Hauch Alkohol drin war. Ein anderes Thema griffen Sabrina, Adriana und Jeannie auf, denn sie hielten ein Referat über "typisch Mann, typisch Frau". (.......) Sie hatten unter anderem Pullover dabei, die sie austeilten. Jeder zog sich einen drüber und hatten anschließend die Ehre, sie wieder auszuziehen. Und man sah deutlich, dass Männer ihn anders ausziehen wie Frauen.
Gegen Ende der Eingangsklasse wurde es aber ernst, denn wir mussten zahlreiche Entscheidungen treffen, die unser zukünftiges WG-Leben beeinflußten. Zum einen natürlich die Selektion des naturwissenschaftlichen Faches. Die Qual der Wahl hatte man zwischen unserem Kumpel Chemie, dem Wolf im Schafspelz Biologie und dem düsteren Emo von nebenan: Physik. Dave machte damals groß Werbung für letzteres, damit auch ein Kurs zustande kommt. Gleichzeit war vorallem bei der Wahl zu Chemie der Lehrer vorrangig, denn bei den meisten Schülern genoß Herr Flinspach gute Sympathien. Dennoch wählten genug Leute Biologie und Physik, so dass ein Kurs gebildet werden konnte. Jeder hatte seine eigenen Auswahlkriterien und Motive, doch ob man sein Kreuz nun an der richtigen Stelle gesetzt hat, wird sich zeigen. Eine weitere Entscheidung stand in der Königsklasse der Schulfächer an: VBRW. Man konnte entweder bei seinem bisherigen Lehrer bleiben oder zu Herrn Seitz wechseln. Das Besondere war, dass Herr Seitz den VWL-Teil auf Englisch durchnimmt und man am Ende des Jahres ein Zertifikat über den bilinguaren Unterricht erhält, der sich in einer Bewerbung sicher nicht schlecht macht. Herr Seitz kam am Ende einer Stunde zu uns ins Klassenzimmer und erzählte ein wenig dazu. Auch ich wollte wechseln, meine Englischkenntnisse waren in Ordnung und eigentlich gabs kein Argument, was dagegen sprach.
Gegen Ende des Schuljahres war auch das Methodenplanspiel zu Ende. Ich hatte es ja schon zuvor oben beschrieben, dass es eine Art Wettbewerb zwischen den beiden Klassen war. Im ersten Zwischenstand führte die A-Klasse, aber gegen Ende schien es so, dass die B-Klasse nicht zuletzt dank der zahlreichen Möglichkeiten, die uns Herr Ott geboten hatte einige Punkte aufholen konnte. Es gab einen Stichtag, an dem wir unsere Spielstände abgeben mussten. An diesem Tag war Dardan nicht anwesend. Und wer ihn an dem Tag nicht abgegeben hatte, für den war all die Mühe umsonst, denn die Punkte wurden nicht berechnet. Fortuna sei dank war es ein Donnerstag. Und wenn ihr aufgepasst habt, erinnert ihr euch, dass die Fima-Leute eine Doppelfreistunde haben. Auf jeden Fall erklärte ich mich dazu bereit, trotz Regenwetter Bennys Fahrrad zu schnappen und kurzerhand nach Herbertingen zu fahren. Ich wusste nur ungefähr, wo er wohnt und war dann planlos in Herbertingen. Mit seiner Hausnummer im Hinterkopf klingelte ich bei den Nachbarn, die nicht da waren ... und nach langem Suchen fand ich das sehr versteckte Haus. Ich klingelte und hoffte, dass Dardan zumindest da wär. Er hatte das Methodenspiel komplett vergessen und war sehr froh, dass ich noch vorbei kam. Schließlich hatte ich es geschafft, sein Plan war noch rechzeitig bei Frau Wernet. Und wie vermutet, gewann die B-Klasse. Aber auch eine andere Vermutung erwies sich als richtig: Beide Klassen bekamen einen Tag frei. Außerdem vereinbarten wir, dass die gesamte Stufe sich den Gewinn von 100 Euro teilt.
Eine beinahe perfekte Überleitung, denn dieser Gewinn war ursprünglich für eine Klassenfeier geplant. Jedoch wurde umdisponiert und so stand eine neue Idee: Wie gesamte Eingangsklasse fährt mit dem Fahrrad an den Lausheimer Weiher! Die meisten waren recht erfreut von der Idee, jedoch war der Begriff "Fahrrad" für manche ein Dorn im Auge. Dennoch waren soweit ich weiß, außer Patty und Jelena alle anwesend. Es war ein sonniger Tag, als ich mein Drahtesel sattelte und mich auf den Weg in Richtung Ostrach machte. Dort wartete bereits Jessi, die einen schnuckeligen Anhänger an ihr Fahrrad befestigt hat. Außerdem sah Jutta an dem Tag irgendwie klasse aus. Das blieb mir noch in Erinnerung. Und so warteten wir vor dem Rathaus, bis die ersten Kameraden aus Saulgau eintrudelten. Eine Hiobsbotschaft verbreitete sich schneller als ein Feuer in der Savanne: Tobi hatte einen Platten und musste mit dem Auto fahren! War es eine Ironie des Schicksals? Oder nur ein dummer Scherz meiner Mitschüler? Ich weiß es nicht, jedoch trug es sehr zur Aufheiterung bei. Doch wir wollten keine Zeit verlieren und radelten auf Richtung Lausheim. Ich wusste den Weg schon, denn ich bin wie damals bei der Dobelmühle am Tag zuvor schon selbst hingefahren, um mir einen Überblick und etwaige Vorteile zu verschaffen. Das Tempo war eher gemächlich. Einige fuhren so langsam, dass man dabei die Reifen wechseln konnten. Umso mehr waren wir froh, als wir endlich ankamen. Die Zelte waren fix aufgebaut und die Strandtücher am See ausgelegt. Man konnte recht schnell zwei Gruppierungen entdecken: Die chilligen See-Camper und die hungrigen Grillplatz-Besetzer. Eigentlich war es echt schön: Wunderbare Landschaft, einmaliges Wetter. Und eine unglaublich tolle Klasse, mit der man viel Spaß haben konnte. Unvergessen bleibt unter anderem die Aktion, als wir Furkan in den See werfen wollten. Wir packten ihn, er wollte sich befreien. Ähnlich wie in der Duplo-Werbung griff er zu einer List. "Mein Handy! Wartet, ich muss es schnell raustun!". Man musste es ja glauben, aber unser Playa 52 nutzte die Gelegenheit, sich loszureißen und rannte schneller wie der laue Wind zu den Grillplatzbesetzern zurück. Nachdem es mit Furkan so gut geklappt hatte, wollten wir uns an etwas größerem probieren. Nach langem hin und her entschieden wir uns für Tobi. Doch obwohl wir ein halbes Duzend waren, kriegten wir es nicht auf die Reihe, ihn Richtung See zu bewegen. Ein ähnliches Highlight brachte auch Dardan. Zuerst flirtete er mit Jeannie und den Guse-Zwillingen, aber dann wollte er Adriana in den See werfen. Wir dachten zuerst, er machte nur Spaß. Aber in der Tat warf er sie rein. Mit Haut und Haare, aber vorallem mit kompletter Bekleidung. Die Nacht war zumindest für mich sehr kalt, denn statt einem Schlafsack nahm ich einen CD Player mit und schlief dann in meiner Alltagsbekleidung auf dem Zeltboden. Am nächsten Morgen machte ein Fehltritt die große Runde. Michael hätte dem Bombe, als er im Schlafsack war mit m Fuß ins Gesicht gehauen. Die Einzelheiten weiß ich nicht mehr, aber einer neuer Move für kommende Tekken-Teile war geboren. Die Rückfahrt war dank der im Zenit stehenden Sonne sehr schweißtreibend. Aber ingesamt war es trotz fehlender Toiletten, beißenden Schwänen und tretenden Mitschülern ein gelungener Ausflug und wir kamen alle noch gesund nach Hause - wenn man vom Sonnenbrand mal absieht, den so gut wie jeder von uns als kurzfristiges Andenken mitnahm.
Die übrige Zeit in der elften Klasse artetet dann immer mehr im Chaos aus. Man denke an die Chemie-Stunden, wo die eine Hälfte Karten spielt, die andere Handyvideos austauschten. Und dieser rote Faden zog sich quer durch den Stundenplan, wie etwa in Englisch. Dort war es auch lauter wie in einem Fußballstadion. Und das ist denkbar kein gutes Fundament für ein positives Lernklima. Aus diesem Grunde gab es eine Diskussionsrunde mit unserem VBRW-Lehrer Herr Frühbauer, der gemeinsam mit uns eine Lösung für das Problem finden wollte. Ergebnis war der Klassenvertrag. Wir legten uns strenge Regeln auf, die wir einhalten mussten. Ansonsten drohten (von uns beschlossene) Konsequenzen. Die Idee war gut, der erste Spatenstich gesetzt. Leider ging unser Pflänzchen "Klassenvertrag" in der sonnigen Juli-Hitze ziemlich ein, da sich der Schulalltag schon an den nahenden Sommerferien orientierte. Neben den bereits erwähnten Kurswahlen für das naturwissenschaftliche Fach bzw. VBRW. konnten wir uns noch für einen Sportkurs entscheiden. Nach kurzer Abstimmung konnte man zwischen Fußball, Volleyball bzw. Geräteturnen wählen. Da ich in allen drei Bereichen recht schwach bin, konnte ich sozusagen zwischen Pest, Colera und Malaria wählen. Und entschied mich schließlich für das kleinste Übel namens Volleyball / Leichtathletik. Wie es sich herausstellen sollte, war dies nicht die schlechteste Entscheidung.
Leider zeigte sich, dass sich das WG für einige nicht als Ponyhof herausstellen würde. Aber würde, würde - Sprunglaufhürde, wer sie nicht überspringen konnte, musste zurück an Start und es erneut versuchen. Dies galt leider sowohl für unseren Klassenclown Dardan, als auch für unsere Anna. In der Para-Klasse trifft diese Aussage für unseren nordrheinwestfälischen Hobbyabiturient Marian zu, der nach einer abgeschlossenen Ausbildung und einem nachgeholten Realschulabschluß in der Abendschule sein Glück am WG versuchten wollte. Trotz seines recht hohen Alters und der negativen Empfehlung seitens Herrn Häußlers wiederholte er die 11. Klasse.
Veröffentlicht von Stefan am 2008-03-30

Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben: Rückblick Klasse 11 (1/3)