Das war's: Abiturprüfungen 2008
Die Abiturienten hatten ihre Tage: Das Abitur begann pünktlich um 8 Uhr am 3. April 2008. Doch was viele Zeitungen in ihren Artikeln über büffelnde Schüler, Kafka und Kohlhaas vergessen hatten, kann man nur hier nachlesen. Denn WG13.de war im wahrsten Sinne des Wortes mittendrin statt nur dabei - und berichtet live aus dem Stadion.
Ich war schon ziemlich früh dran, besorgte mir noch ein paar leckere Laugenwecken und bewegte mich ohne Handy, aber dafür mit beinahe unbenutzten Stiften in Richtung Schule. Dort wartete schon ein Trio bestehend aus Otze, Matthäus und Vanessa auf mich, die einen relativ gelassenen Eindruck hinterließen. Doch nach kurzem Small-Talk begab ich mich in die Höhle des Löwen, denn ich musste noch ein paar Sachen für's Deutsch-Abi anschauen. Die Vorbereitung im Unterricht galt in Schülerkreisen als lächerlich - aber selbst ist der Mann, muss wohl auch so gehen. Mitschüler Matthäus aus dem selben Kurs hatte ähnliche Probleme. Als mir Michael das Einmal-Eins des Essays erklärte, fragte unser Nachwuchs-Rapper, was denn Abstracts seien. "Das sind kleine Zusammenfassungen von den Materialien", meinte Michael. Von Materialien wusste er ebenso wenig wie ich. Ein paar Blätter vom Espelage-Kurs machte die Sache aber deutlicher. Die meisten Leute waren schon recht früh da und schnell bildeten sich nach Kursen sortierte Grüppchen. Sarah, Sonja, Regina, Benny und ich scherzten über die vergangenen zwei Jahre und fragten uns, ob sich unsere Erwartung bestätigen wird, dass die Überschriften und Markierungen, für die wir so viel Zeit aufgewendet haben, umsonst waren. Und wir die Zeit lieber genutzt hätten, den Inhalt des Buches zu besprechen. Aber dazu später. Herr Frühbauer öffnete den Raum, wir setzten uns an die mit Namensschildern und einem Kinder-Country präparierten Plätze. Anschließend kam Frau Graf rein und motivierte uns mit ihrer Redekunst wie schon vor einiger Zeit im Theater ungemein. Sie hatte Recht, es war ein wichtiger Tag. Aber im Endeffekt zeigt sich hier lediglich, wie effektiv bisher gearbeitet wurde. Vorrausgesetzt, man erhält die Möglichkeit dazu. Denn die Angst machte sich vorallem bei mir breit, dass die Themen allesamt schlecht gewählt waren und man sein "Können" nur bedingt repräsentieren kann. Es ging los. Die Blätter wurden ausgeteilt und dürften nicht umgedreht werden. Gut, dass es die Schüler, aber nicht die Lehrer wissen, denn Frau Rheingans teilte die Blätter nicht umgedreht aus. "Die will mir gleich null Punkte anhängen!", rief ihr Malek hinterher. Zu mir sagte sie dann, ich solle es erst ab 8 Uhr umdrehen. Man lernt halt nie aus. Es ging los, ich schaute mir die Bögen an und war überrascht, dass man auch so ne Art Erörterung oder Textinterpretation wählen konnte! Das hatte ich persönlich und wahrscheinlich auch der Rest meines Kurses noch nie gehört! Zugleich ist das natürlich ein Ausschlußkriterium. Ich schaute die Buch-Themen an und blätterte zum Essay. Und ich hatte Glück: Das Thema lautete Glück und klang gut. Zumindest auf den ersten Blick, denn je weiter ich mich mit dem Thema befasste, umso dünner wurde es. Nicht unerwähnt sollten auch die gekippten Fenster bleiben: In allen Klassenzimmern waren die Fenster gekippt. Und wie wir aus dem Deutschunterricht wissen, ist das strikt verboten. "Das können sie sogar in der Hausordnung nachlesen oder im Sekretariat nachfragen". Ihr fragt euch warum? Die Begründung lautet, dass wir uns an den Physikunterricht zurückerinnern sollen. Im Sekretariat hakten wir nach: "Was? Das habe ich ja noch nie gehört? Wer sagt denn sowas?", war die Antwort. Aber aus offenen Fenstern kann man eh besser herausspringen als mit kippten Fenstern, falls die Prüfung destruktiv verlaufen würde. Nach gut einer Stunde begab sich der oder die Erste auf die Toilette und warf damit den ersten Domino-Stein um. Denn gerade in der Deutsch-Prüfung kam es fast einem Staffellauf gleich: Sobald die Türe aufging und die erleichterte Person rein kam, spurtete unmittelbar darauf die nächste hinaus. Um 13 Uhr, also eine Stunde später wie die weiteren drei Prüfungen, war die erste Abgabe. Ich war schon einige Zeit vorher fertig und gab neben vielen anderen gegen 13 Uhr ab. Im Bereich der Treppe bildeten sich wieder kleine Grüppchen, aber diesmal aufgeteilt nach der Themenwahl. Neben mir nahm unter anderem noch Jessica und soweit ich noch weiß der Lucky Luke das Essay-Thema "Glück". So wirklich rund lief's glaub bei niemanden, aber mal schauen, was dabei herauskommt. Dabei sein ist bekanntlich alles.
Am nächsten Tag stand Englisch auf dem Stundenplan. Herr Frühbauer musste dem Kurs von Marcel Hugger erst noch die Details erklären. Auch Mirielle aus dem selben Kurs fragte ganz erstaunt, was denn die Mediation sei. Dass man dabei einen englischen Text auf Deutsch zusammenfassen musste bzw umgekehrt, war ihr fremd. Aber nicht umsonst hat sie den Semikurs gemacht - und musste nicht mitschreiben. Dennoch wurde recht schnell vermutet, welcher Kurs wohl am schlechtesten abschneiden würde. Zumindest bei mir lief es sehr gut. Ich begann mit der Übersetzung, um in die englische Sprache reinzukommen. Die meisten Wörter waren mir zwar bekannt, aber dennoch schlug ich die Mehrzahl von der nicht allzu geläufigen Worte im einsprachigen Wörterbuch nach. Genug Zeit hatte ich ja und man kam doch auf so manche weitere Bedeutung. Die Übersetzung war ein Text aus der "Times", welcher sich mit den Maßnahmen der EU für die Automobilkonzerne zur Treibhausgasreduzierung auseinandersetzte. Die Mediation schaute ich nicht an, war aber wohl sehr leicht. Die Textaufgaben behandelten ein Thema, dass zwar in den Frauenzeitschriften omnipräsent ist, aber nur selten kritisch beleuchtet wird: Übergewicht. Neben einem Text gab's noch eine Karikatur. Und ich war nicht der einzigste, der dran saß und sich überlegte, was das denn genau darstellen soll. Für mich sahen die beiden Burschen aus wie Aliens. Übergroße Köpfe, schwarze Hautfarbe. Im Hintergrund eine ebene, weiße Fläche ohne irgendwelche Details. Der Himmel war schwarz. Ganz klarer Fall, Aliens auf einem fremden Planeten. Aber was zum Teufel haben die mit Übergewicht zu tun? Nach einer Zeit erschloß sich mir die Bedeutung: Es waren keine Aliens, sondern sehr abgemagerte 3. Welt Bewohner, wahrscheinlich Afrikaner, die auf ausgedorrtem Boden saßen . Heute drückte die Blase der WG13 nicht so extrem wie gestern, so dass der Klo-Staffellauf an diesem Tag nur bedingt stattfand. Unser geistiger Sprintweltmeister Otze war schon um 10 Uhr mit den Aufgaben fertig und wartete die übrige Zeit auf das erlösende Läuten. Letzte Aufsichtsperson war Herr Aigner, unser Kaptain. Den Leuten aus den Fima-Kurs strich ein seichtes Grinsen über's Gesicht und wir schauten uns gegenseitig an. Und wir wurden nicht enttäuscht: Schon bald schrieb er an die Tafel, dass Fima am Montag ausfalle - wenn das mal keine guten Nachrichten sind! Ich schrieb noch bis zur letzten Minute und wurde im Gegensatz zu Ines am Tag zuvor sogar fertig, auch wenn ich mein Zeugs nicht mehr durchlesen konnte. Ich fuhr dann gut gelaunt nach Hause - so sollte das Abi weitergehen!
Der Abimarathon ging am Montag weiter. Für VBRW hatte ich persönlich am Meisten angeschaut, auch wenn sich der Lernaufwand in Grenzen hielt. Ich war im Mischkurs von Herrn Seitz, der laut Patrick am schlechtesten vorbereitet war. Nicht nur, dass es keinen "Crash-Kurs" über die Ferien hinweg gab, es vielen auch unzählige Stunden aus. Aber der Lehrer soll nicht der Übeltäter sein, denn die Unterrichtszeit hätte auch von uns manchmal besser ausgenutzt werden können. So wurden Hausaufgaben eben sehr oft nicht gemacht. Dennoch fühlte ich mich eigentlich gut vorbereitet, war ja eigentlich Kursbester. Als ich die Aufgaben sah, verflog die positive Einstellung und mir flossen fast gar Tränen über's Gesicht: Gerade der BWL-Teil lag mir absolut nicht. Ich versuchte dann mein Bestes, fluchte aber innerlich, was für dumme Aufgaben das seien. Kein Break-Even-Point, Abschreibung, Bewertung oder dergleichen. Nach der Prüfung stellte sich aber herraus, dass ich wohl nicht der einzigste war, bei dem es so schlecht lief. Herr Müller empfing uns vor dem Prüfungsraum und wir redeten noch einige Zeit über die Aufgaben.
"Es kann ja nur besser werden", war die Devise für das große Finale. Auch wenn der Endspurt im Abimarathon mit Mathe enden sollte. Für viele war das Abitur ja schon an Montag zu Ende, weil Mathe für einige eine unlösbare Aufgabe war. Ganz vorneweg Matthäus, der mit sehr wenig oder gar null Punkten rechnete. Ich war eigentlich ganz motiviert, was die Welt der Zahlen anging. Herr Alles läutete die heutige Runde ein und erklärte uns, was wir zu tun hatten. "Die erste Aufgabe ist hopfenleicht, da bekommt wirklich jeder was hin", wollte er auch die Mathe-Muffel aus der letzten Reihe vor der Resignation abhalten. Und in der Tat sahen die Aufgaben ganz machbar aus. Ganz im Gegenteil der Erwartungen, da das AG angeblich das schwerste Mathe-Abi sei 10 Jahren hatte. Bei mir lief es eigentlich ganz gut, nur von der vektoriellen Geometrie hatte ich so viel Ahnung wie Jamaikaner von Bobfahren. Herr Müller hatte Aufsicht und er schaute mich an. Ich zeigte ihn meinen nach oben gestreckten Daumen, denn ich war echt gut drauf. Tobias brauchte wohl von so viel Denkleistung eine Erfrischung und wollte seinen Durst löschen, was aber im wahrsten Sinne des Wortes in bzw. auf die Hose ging. So zischte es aus seiner Wasserflasche und eine nicht geringe Menge des kostenbaren Getränks landete nicht da, wo es hin sollte - zur Freude der lachenden Klasse. Aber auch Herr Müller konnte sich das Lachen nicht verkneifen. Auch Arjanit, der auf's Klo ging, wieder herein kam, sich von der Tür entfernte und zurück lief, um die geschlossene Tür erneut zu schließen, war ganz amüsant. Matthäus nutzte die Zeit, um ein Nickerchen zu halten. Oder er schrieb unendlich viele, verschiedene Kombinationen aus der Stochastik-Aufgabe auf. Man hat ja sonst nichts zu tun. Und dann war es geschafft: Punkt 12 konnte man das Abitur 2008 offiziell beenden.
Ingesamt war das Abi eigentlich gar nicht so streßig und schwer, wie prophezeit. Alle Aufgaben waren gerecht und wirklich machbar, es war für jeden etwas dabei. Lediglich VBRW bildete eine Ausnahme und war meiner Meinung nach in gewisser Weise unfair. Die ersten Prognosen aus der aktuellen Schulwoche zeigen ein ähnliches Bild: VBRW wäre wohl ein neuer negativ-Rekord und es wären kaum Schüler über 5 Punkte. In Deutsch hingegen war Frau Rheingans relativ erfreut, denn die schlechteste Note war lediglich "ausreichend". Englisch war bei der selben Lehrerin nicht so erfreulich, Frau Brack hielt sich mit einer Prognose aber komplett zurück. Bleibt noch Mathe: Da Herr Fuchs aber diese Woche nicht da ist, gibt es auch in dieser Hinsicht noch nichts zu berichten. Es ist also noch alles offen - und wer weiß, ob nicht sogar vielleicht das Angstfach Mathe besser abschneidet als das doch so wichtige VBRW - möglich wäre es ja.
Veröffentlicht von Stefan am 2008-04-16

Das war's: Abiturprüfungen 2008