Erst die Arbeit, dann das Vergnügen: Abihütte 2008
Die Prüfungen waren vorbei und wie die meisten 13er verbrachten wir wie Tage danach als Klasse zusammen auf der Abihütte. Der Großteil freute sich schon drauf, der Rest ging nicht mir. Aber bis auf wenige Ausnahmen wie Arjanit oder Alexandra waren wir vollzählig. Im Gegensatz zum Störck Gymnasium verschlug es uns nicht in das entfernte Bayern, sondern auf den "Höchsten" im Bodenseekreis. Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nahe liegt?
Zum Organisatoren-Team gehörte vorrangig Vize-Chef Fredy und die liebe Patty. Sie suchten und buchten die Hütte und kümmerten sich auch um das leibliche Wohlergehen. Denn für die eingesammelten 30 Euro gab's zwei Tage Vollpension. Nicht im Preis inbegriffen war die Anfahrt, jeder musste sich selbst einen Fahrer suchen bzw selber fahren. Da ich eh kein großer Freund von Alkohol bin und mein Auto Mandy auch mal an die frische Luft wollte, fuhr ich selbst. Vivi fragte mich zuerst, ob sie mitfahren dürfe - und ich hatte nichts dagegen. "Steve, holst du mich 20 vor 2 ab?", fragte Vivi mich am Mittwoch mehrere Male, als ob ich sie Angst hat, vergessen zu werden. Mein Auto hatte ich bereits vor Schulbeginn mit Essen, meiner Musikanlage, Computer, Kameras und weniger wichtigen Dingen wie Klamotten beladen. Aber auch der größte Kofferraum ist mal gefüllt und so bat ich Verena darum, eine Lautsprecherbox in ihren Clio zu laden, denn Vivi warnte mich bereits, dass sie ihre halbe Wohnung mitnehmen möchte. Ich holte sie ab und wir fuhren übers Kaufland, wegen Patricks Zigarettenpapieren zur Schule. Dort wartete bereits Janina - als einzigste. Man wollte sich ja treffen und gemeinsam losfahren, jedoch haben es sich die meisten Fahrgemeinschaften spontan anders überlegt und fuhren auf eigene Faust. Wir wartete mit Janina, bis Patty kam und fuhren dann zu zweit, vom Navi geführt, Richtung Rubacker.
Wir fanden die Hütte eigentlich im Gegensatz zu vielen anderen gleich. Eine Zumutung war diese Stichstraße, die äußerst uneben und für mein Auto nicht gemacht war. Nichts desto trotz kamen wir zwar nicht als erste, aber dennoch pünktlich an. Hinter uns waren plötzlich Darja und Co, die uns wohl verfolgt hatten. Ich räumte gleich das Auto aus und baute die Anlage auf. Die Sache war recht schnell startklar und so konnten wir mit musikalischer Untermalung draußen sitzen, die Lage erkunden und beobachten, wie weiter PKWs bekommen. Zumindest, wenn man gerade nicht Abi geschrieben und somit keinen Grund zum feiern hat. Ganz vorne mit dabei war Jutta. Sie freute sich schon sehr auf die Abihütte und der Alkohol klebte förmlich an ihren Händen. Sie war wirklich gut drauf, tanzte zur Musik und knutschte auf Kommando alle möglichen Leute ab - auch mich. Allein schon deswegen war der Besuch auf der Abihütte lohnenswert. Benny besorgte Holzkohle und die Hobby-Grillmeister kümmerten sich um's Feuer. Vivi hatte vegetarische Grillsachen dabei, Jules so ein ekliges Steak, das selbst überzeugte Nicht-Vegetarier anekelte. Otze hatte sein Trinkhorn dabei. Als er jedoch zusammen mit Fredy und Dave in den Bach pinkelte, viel es ihm hinunter - in die frisch entstandene Pfütze. Doch wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen und so trug dies zur allgemeinen Erheiterung bei. Neben einem Bach und dem Grill gab es noch die Sparversion eines Spielplatzes zu bestaunen: Bestehnd aus zwei Schaukeln und einem seltsamen, horizontal aufgehängen Traktorreifen. Anne und Judith versuchten sich mit mäßigem Erfolg an der Affenschaukel, während Benny die kleine Janina bis zur Übelkeit im Kreis drehte. Wo wir gerade beim Thema Übelkeit sind: Wo ist eigentlich Jutta? Zumindest in diesem Blog ist sie nicht.
Gegen Abend wurde dann ausgiebig gegrillt und die Salate aufgetischt. Die Auswahl war wirklich sehr facettenreich und man konnte sich wirklich satt essen. Das hat unser Duo perfekt organisiert und meine Mitschüler umgesetzt. Aus den Lautsprechern tönte dann "Lord of the Dance". Ich fragte Miri, ob sie das Lied kennt. Doch sie verneinte, aber Vivi grinste und meinte nur, dass sie es kennt. Spätestens nach dem Intro platzte der Knoten und bewegte sich von der Leitung weg, auf der sie stand, um zu tanzen. Doch das klappte nur bedingt, denn vorallem ich habe einige Bewegungsabläufe nicht mehr gewusst. Mittlerweile trafen auch Tobi, Schiri und Michaela ein. Und in der Dunkelheit auch der Guse-Corsa, vollbeladen mit vier feschen Mädels. Die aber alles andere als gut gelaunt waren, denn sie hätten die Hütte erst nach langem Suchen gefunden. "Wir hielten an einem Bauernhof um nachzufragen, aber da sprang uns ein Hund an". Ich wollte sie etwas erleichtern und nahm ihnen ihr Gepäck ab. Später kam dann auch noch Johnny. Meine erste Begegnung mit ihm war, dass er die große Treppe im Haus runtersegelte. "Ist dir was passiert?" - "Geht schon.". Ganz nüchtern war er ja nicht mehr, der gute. Nur kurze Zeit später war die Aufregung groß: Unser Johannes wäre die Steintreppe runtergeflogen und hätte sich das Gesicht und den Hals aufgeschürt. Ich fragte, ob es ernst sei und bekam nur ein Nicken als Antwort. Doch das war nicht das einzige Übel an diesem Abend. Mittlerweile artete die Sache richtig aus. Getränke an der Wand, vollgekotzte Betten, versüffte Toiletten. Patty und Fredy hatten zwar das Ruder in der Hand, denoch sitzen wir alle im selben Boot und haften "gesamtschuldnerisch" für verursachte Schäden. Und so riefen die beiden zu einer Krisensitzung zusammen. Fredy erklärte die Lage und rief zur allgemeinen Besserung auf.
In der Nacht wurde dann noch viel getrunken und gefeiert. Doch Tobi hatte nichts zu lachen: Er war stinksauer und wollte seine Mutter anrufen, dass sie ihn holen soll. Denn er hatte genug: Sein Schlafsack fehlt, seine Isomatte ebenfalls und sein lieber Schiri ist ohne ihm etwas zu sagen, vor ihm ins Bett. Ach, Bett hatte er übrigens auch keins. Aber das war nicht unsere Schuld - die 29 Betten waren eben denen vorbehalten, die pünktlich kamen. Dennoch opferte Britta ihr Bett und so konnte Kollege Binder ruhig schlafen. Und das, obwohl er die Treppe "hochgestolpert" ist und mit dem entstandenen Rumpser für Aufmerksamkeit, aber vorallem Gelächter seitens Regina und Benny sorgte. Regina und Sarah teilten ihr Bett mit unserem Dracula. Sarah hatte meinen Schlafsack, denn Jutta lag in ihrem. Und mein Bett hatte ich Sabrina Guse versprochen. So gesehen optimale Bedingungen, um die Nacht zu verbringen. Wir schoben dann aber die Better zusammen und ich schlief zwischen Matthäus und Otze. Ohne Schlafsack oder Decke, aber ich wäre auch mit den beiden Sachen nicht eingeschlafen. Also wechselte ich das Zimmer und lag neben unserem Äffle. Nach einer gewissen Zeit hörte man ein dumpfes Geräusch: Irgendjemand schnarchte. Wir konnten nur vermuten, wer es war. Zumindest kam es aus der Ecke Mirielle-Verena-Adriana. Ab er wer genau am Baum sägte, konnten wir nicht feststellen. Einschlafen konnte ich dennoch nicht. Dann kam Lukas rein, angeblich nur spärlich bekleidet und auf der Suche nach einer "Dusch-Partnerin". Es verging einige Zeit, dann kam er erneut rein und wollte zu mir. Denn der Vorratsraum war abgeschlossen und er hatte Hunger. Gut, dass ich solche Engpässe einplane und mir meinen eigenen Vorrat im Zimmer angelegt habe, was sich natürlich auch bis zu unserem gefräßigen Polen rumgesprochen hatte. "Steve hast du mir was zu essen?", kam er lautstark fragend herein. Wir schnallten uns ein paar Sachen und gingen runter in die Küche. Britta und Vanessa waren auch noch wach und so aßen wir gemeinsam Fertig-Spätzle mit Fondor und einer Gurke. Lukas ließ es sich schmecken und aß die Nudeln nicht wie Knigge empfiehlt mit der Gabel, sondern zu unserer Belustigung mit bloßen Händen. "Wie Affe", sagten wir. Als der Teller fast leer gegessen war, aß er dann wie ein Hund direkt vom Teller.
Es krähte zwar kein Hahn am nächsten Tag, aber dafür wurden wir von einer Topf-schlagenden Abiturientin aufgeweckt. Wer dieses Verbrechen ausgeübt hat, konnte ich meiner Sehschwäche sei dank nicht genau erkennen. "Guck mal draußen, da joggt der Rist!". Was sich erst nach einem dummen Witz anhört, war Realität. Denn unser Nordic-Walker unter den Coopertest-Läufern war schon früh auf den Beinen und lief wohl mit seiner Nase um die Wette. Oder war es in der Tat Teil seines Trainingprogramms, damit er nicht wie im letzten Halbjahr schummeln muss, um auf 12 Punkte zu kommen? Wir wissen es nicht. Aber Rist hatte am Abend zuvor auch die Ehre, sich in Juttas Bett legen zu dürfen. Als sie gestern wach war, zog sie die Männer magisch an, neben Alexander waren nämlich noch Metal-Otze und Kollege Binder bei ihr. Ich übernahm den Schlafsack vom Otze und wollte eigentlich noch ein wenig schlafen. Aber daraus wurde nichts. "Wo ist der Steve?", fragte Janina. Und es machte sich in mir das ungute Gefühl breit, dass es aus dem Schlafen nichts werden sollte. "Steve machst du mal die Musik wieder an?", fragte das Mädchen aus Mende. Ich murmelte nur so vor mich hin, ich weiß nicht mal, was ich gesagt hab. Unten hörte ich dann Janina sagen, dass ich nicht runterkommen würde. Zumindest wollte ich sagen, dass ich in einer Viertelstunde runterkomme, oder sowas in der Art. Also nahm ich meine Beine in die Hand, um nicht mit dem falschen Fuß aufzustehen und begab mich zum PC. Musik lief und Janina erzählte mir ganz stolz, dass sie heute schon den ganzen Boden gewischt haben. Und tatsächlich waren keine Nudeln mehr auf dem Boden, die Lukas aus dem Mund gefallen sind.
Es gab Frühstück: Frische Wecken, dazu Nutella, Marmelade oder dergleichen. Ich holte noch meine Ananas und ein paar Orangen und bereitete sie zu. Lukas probierte ein Stück und schnauzte mich an, dass man "das nicht essen kann". Ihm war sie wohl nicht gut genug. Ich persönlich fand sie in Ordnung, auch Steffi fand sie gut. Nach dem Frühstück spielten wir ein Spiel aus der Guse-Spieltruhe. Es hieß Gramium. Ihr müsst euch das wie das aus dem TV bekannte "Extreme Activity" vorstellen: Die Mitspieler werden in Gruppen eingeteilt. Zufällig wird ein Mini-Spiel wie Montagsmaler oder Pantomine ausgewählt. Einer aus dem Team musste den Begriff nun dem Team-Mitglied erklären. Besonders lustig wurde es, als man den Begriff mit verschlossenen Augen darstellen musste: So kamen einige abstrakte Gemälde zustande. Sabrina Guse erkannte den Stuwwelpeter aus dem komischen Kreisgewirr von Matthäus - respektable Leistung! Mein Team bestand aus der Patty und mir. Und leider waren wir nicht allzusehr erfolgreich, so dass wir das Spiel als "Sieger der Herzen" verließen. Nebenan spielte Dave und Otze Gitarre. Sabrina fragte mich dann, "ob ich nicht die blöde Musik ausmachen oder was anderes reintun kann", denn "da wird man voll depri". Alle lachten und klärten sie auf: Es waren unsere beiden Hobby-Gitarristen.
In der zweiten Spielrunde stießen dann Fredy und Judith dazu. Patty stieg aus und Adriana nahm mich in ihr Dreamteam auf. Außerdem kroch Jutta aus ihrem Bett und hatte ihr Rückwärtsessen wohl gut verdaut. Die Begriffe im Spiel wiederholten sich dann ständig und am unterhaltsamsten war die Diskussion zwischen Fredy und Judith, weil Judith laufend davon rannte und Anne ihm jetzt zur Seite stand. Anschließend fuhr Anne mit mir auf der Beifahrerseite und Jeannie bzw. Darja auf der Rückbank in das Nahe gelegene Wilhelmsdorf. Im dort gelegenen Penny-Markt deckten wir uns mit Tomantenmark und anderen wichtigen Dingen wie Cosmopolitan (mit begelegten Tarot-Karten). Ich kaufte noch ein paar Wecken und ein Glas Essiggurken für den Dave. Denn als ich ihm am Frühstück ein Stück Ananas anbieten wollte, lehnte er dankend ab und erklärte, dass er zum Frühstück viel lieber ein Glas Essiggurken hätte.
Zurück in der Hütte suchte ich erfolglos nach einem Dosenöffne. Auch Anne schaute in sämtlichen Schubladen nach - und wurde fündig. Es war zwar ein Werkzeug, dass noch aus dem zweiten Weltkrieg hätte stammen können, aber Dosenöffner ist Dosenöffner und so versuchten wir uns an der verzwickten Mechanik. Zuerst mit sanften Probieren, dass aber nicht zum gewünschten Erfolg führte. Also ließen wir die Muskeln spielen, aber außer einer verbogenen Dose erreichten wir mit unserer Gewalt nichts. Damit der Mittagstisch nicht unbedeckt bleibt, fragten wir nach, wer sich mit so einem Gerät auskenne - und ich glaube Verena half uns aus der Not. Blitzartig waren die Dosen offen und konnten in die mit Wasser gefüllten Familientöpfe geschüttet werden. Dumm nur, dass die Beschriftung vom Drehschalter für den Herd derart verschlissen war, dass man die verschiedenen Hitzestufen nur erahnen konnte. Das Wasser brachte Anne aber trotzdem zum Kochen und schon bald duftete es aus der Küche. Nachdem noch eine fertige Knoblauch-Gewürzsoße zugemischt wurde, war es angerichtet und die hungrige Meute schöpfte, was die Töpfe her gaben. Leider zu wenig, so dass der Koch-Trupp nicht früh genug mit dem zweiten Nachschlag fertig wreden konnte.
Furkan war sehr angetan von meinem Shuttle-PC. Am Tag zuvor verbrachte er einige Zeit damit, sich durch meine sehr umfangreiche Playliste zu klicken, was nicht nur Steffi und Co schlecht aufstoßte. "Der soll mal da weggehen". Unseren Mädels ist 50 Cent wohl zu billig. Auch nach ein paar Aufforderungen meinerseits war er nicht abzubringen. Ich fand's eigentlich ganz lustig und wollte unseren neuen DJ nicht bei der Arbeit stören. Heute entdeckte er auf meinem Rechner das eigentlich einzige und mit 7 Jahren auch schon recht alte Spiel "Max Payne". Doch das Dauerfeuer störte zwar erneut die Mädels ("Mach das aus"), lockte aber gleichzeitig Matthäus, Otze und Frederik an. Matthäus kannte das Spiel praktisch auswendig und unterstützte unseren Hobby-Schützen. Auch Jutta will nur spielen. Zwar keine Ballerspiele, aber "Verstecke" hat es auch in sich. Zumindest sah sie wieder blendend aus, sie war auf dem Weg, die Charts zu erklimmen, denn sie war wirklich der Hit. Ich begleitete sie einige Schritte mit dem Camcorder (...)
Draußen, vor der Hütte waren Patrick, Dave und Jessi. Letztere bekam ja vor einigen Wochen einen Neuwagen: Den Fiat Punto. Zumindest nach außen macht der Kleinwagen einiges her, aber was außen "hui" ist, muss es innen nicht unbedingt ebenfalls sein. So erzählte sie mir, dass sie ihre "Liesel" in Schrottkarre umbenannt hat, denn neben diversen Werkstattbesuchen, wo mehrere, nicht unerhebliche Fehler gefunden wurden, musste das Auto ja auch schon mit dem Abschleppdienst direkt vom Pausenhof abgeschleppt werden. Dave fügte hinzu, dass auch die Elektronik schlichtweg spinnt: Schaltet man gewisse Funktionen ein, "geht der hintere Scheibenwischer voll ab". Fiat-Fans werden jetzt sagen, dass dies ein Einzelfall wäre. Aber ich hol' jetzt etwas aus: Letzten Donnerstag war der Malek bei mir und wollte etwas abholen. Er fuhr mit einem baugleichen Fiat zu mir und als er wieder weg wollte, sprang das Auto nicht mehr an. Wäre interessant zu sehen, wie hoch die Rücklagen von Fiat für Garantiefälle sind.
Gegen Mittag legte ich mich dann hin, da ich sehr müde von der letzten Nacht war. Irgendwann kamen Daniel und Sabrina und deckten mich mit unzähligen Decken, Schlafsäcken, Jacken und anderem Zeugs zu, so dass ich sozusagen lebendig begraben wurde. In meinem Halbschlaf bedankte ich mich artig, soweit ich noch weiß, und grub mir ein Luftloch, um dem sicheren Erstickungstod zu entrinnen. Halb erholt und mit knurrendem Magen machte ich mich auf den Weg in die Küche. Als wir am Mittag im Penny Markt waren, kaufte ich mir ein paar Wecken. Dummerweise war kein einziger mehr da. Aber zum Glück hab ich mir ein ganzes Vollkornbrot gekauft. Doch wo war es? In der Küche zumindest nicht, dafür im Vorratsraum. Doch da war irgendwas im Brot, irgendwas aus Fleisch blitzte hervor. Das weckte die Neugier von mir und vorallem Lukas. Und so schnitten wir das Brot auf: Und in der Tat war etwas fleischiges im Brot drin. Es sah aus, wie als wäre es schon im Teig gewesen und mitgebacken worden, da es perfekt in das Brot passte. Lukas schnitt mehrere Scheiben runter und offenbarte das Unglaubliche: Eine Maus im Vollkornbrot! "Das ist doch ne Ratte, die is viel zu klein für ne Maus. Und guck mal den langen Schwanz an!". Auch Vivi war sehr schockiert und ekelte sich. "Tu das weg!". Wir verbreiteten das Gerücht und das Gerücht verbreitet sich selbst weiter. Was nach einem Skandal auf Bild-Niveau klingt, stammt in Wahrheit aus der Feder vom Mähne, denn er höhlte in der Nacht das Brot teilweise aus und stopfte so ein Teil vom Grillen rein. Aber es sah echt aus wie ne Ratte, daran zweifelten die wenigsten. Dafür gab es zum Abendessen Chille con Carne, von dem die Vegetarier nicht wirklich was hatten.
Am Abend verabschiedete sich dann Britta und Furkan, die noch in M-Park gingen. Auch Tobi, Schiri und Michaela zogen schon am Vormittag ab. Tobi hatte Fußballtraining und das wollte er schließlich nicht verpassen, es geht ja um die Karriere. Mir gings persönlich irgendwie nicht so gut und legte mich dann hin. Auch die anderen kamen relativ bald. Matthäus und andere machten noch eine Nachtwanderung zum Höchsten. Als dann alle Schlafen wollten, kam laufend Lukas rein, machte die Türe auf, kam rein und sorgte für Chaos. Und es war Routine, dass jede 10 Minuten das Licht anging. Zum Ärger von uns, denn es musste sich jemand erbarmen, der aus seinem Schlafsack herauskroch und das Licht wieder abschaltete. Eine undankbare Aufgabe - vorallem, weil das Licht in kurzer Zeit eh wieder angeschalten wird. Als dann Lukas mal wieder rein kam, schrie Mirielle ihn richtig zusammen. Zurecht, aber 'n besoffenen, hemmungslosen und unverschämten Burschen wie den Lukas interessierte das so viel wie China die Menschenrechte und so ging das Licht noch einige male an. Ich konnte wieder nicht schlafen. Auch Sabrina, die neben mir lag, ging es gleich. "Sabrina, schläfst du schon?" - "Nöö", seufze sie. Unten lief noch die Musik, meine Anlage. Irgendwann kam dann so ein Möchtegern-DJ auf die Idee, den Verstärker so weit aufzudrehen, dass die Boxen mehr schepperten als Töne von sich gaben. Davon abgesehen, dass dabei die Boxen locker abrauchen können, wenn sie zu viel Strom abbekommen, läuft der 400 Watt Verstärker schon seit 7 Uhr morgens - also schon über 15 Stunden am Stück. Ich war ziemlich sauer, bin dann halb blind runter und hab die Lautstärke von "zu laut" auf "mittel bis laut" gedreht. Ich wollte ja kein Spielverderber sein. Doch kaum war ich aus dem Raum, die Türe geschlossen, drehte man wieder laut. So viel zum Thema Respekt vor dem Eigentum - aber ich schieb's mal auf den Alkohol. Jedoch überlege ich es mir in Zukunft sehr, sehr gründlich, nochmal was in dieser Art beizusteuern. Außer Fredy bedankte sich niemand, es war wohl selbstverständlich, dass man Technik-Equipment im mittleren, dreistelligen Niveau ner betrunkenen Meute ausliefert. Einige Zeit später drehte man wieder zu stark auf, es war so halb 3 in der Nacht. Mir wurde es zu blöd, schaltete die Kiste ab - um größere Schäden zu vermeiden.
Am nächsten Tag gab es dann noch Frühstück im Freien, weil drinnen schon alles aufgeräumt war. Patty gab mir die restlichen Äpfel mit. Die anderen, übrigen Sachen, die keiner mehr wollte, stopften wir zwischen die Sachen im Guse-Corsa. So als kleine Überraschung. Und früher als erwartet konnten wir nach einem dürftigen Applaus für den Fredy nach Hause fahren. An dieser Stelle sollte man aber echt die überrachend gute Organisation loben und die Mühe, was sich Patty und Fredy gemacht haben. Auch Anne und Judith, aber auch Janina, die sich um das Wohl des Hauses kümmerten, sollten nicht unerwähnt bleiben.
Insgesamt war es trotz einiger Schrammen, verstauchten Beinen, ausgegangenem Klopapier, kaltem Wasser am Abfahrtstag, Salat auf der Frontscheibe und so manchem Totalabsturz doch eine interessante Erfahrung (...)
Veröffentlicht von Stefan am 2008-04-24

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen: Abihütte 2008